Einführung in den Galaterbrief

Roger Liebi

29.08.2009

ID: 23361

 

Herr Jesus, wir danken dir, dass du da bist und dass du uns diese Gelegenheit schenkst miteinander den Galaterbrief zu studieren. Sprich du selbst durch dein Wort zu uns und öffne unsere Augen, damit wir Wunder sehen in deinem Wort. Segne und leite du uns und hilf uns, dein Wort auf uns zu übertragen und anzuwenden. Amen.

Wir wollen uns heute Nachmittag im Sinn einer Einführung mit dem Galaterbrief beschäftigen. Das Thema dieses Briefes kann man umschreiben mit „Errettung allein durch Glauben“. Ich würde den Galaterbrief in folgenden Sätzen beschreiben: Der Galaterbrief warnt vor der Irrlehre, die besagt, man könne durch eigenen Verdienst und durch das Einhalten der Gebote des Gesetzes Mose einen Beitrag zu seiner eigenen Erlösung leisten. Er betont daher die Vollgültigkeit des Erlösungswerkes Jesu Christi am Kreuz. Ferner warnt er prinzipiell ernstlich vor dem Irrweg, dass nichtjüdische Christen beginnen, nach jüdischen Geboten des Sinaitischen Gesetzes zu leben.

Wir merken, dieser Brief, geschrieben im 1. Jahrhundert nach Christus, hat ernste Entwicklungen gleich vorweggenommen. Wenn wir an die Kirchengeschichte denken, wie die ganze Christenheit durch die Jahrhunderte, ja über Tausend Jahre hindurch genau in diese Problematik hineinkam, dass da gelehrt wurde, der Mensch können durch eigene Verdienste gerettet werden. Aber Jahrhunderte, bevor dieser falsche Weg beschritten wurde in der Kirchengeschichte, war der Galaterbrief schon längst da und hat die göttliche Warnung und Zurechtweisung und auch die göttliche Lehre über den wahren Weg der Errettung schon längst dargelegt! Und diese heutige Bewegung, wo immer mehr evangelikale Christen hineingezogen werden ins Judentum, auch das ist schon längst hier vorweggenommen und die göttliche Antwort auf Fragen in dem Zusammenhang werden uns da schon längst vorgestellt.

Nun, es ist beim Lesen von Bibelbüchern wichtig, dass man zuerst Grundfragen stellt:

·        Wer ist der Autor?

·        An wen wurde das Buch gerichtet damals bei der Abfassung?

·        Zeit und Ort der Abfassung

·        Die Frage nach dem Aufbau/Struktur des Buches.

Alle diese Fragen wollen wir zusammen anschauen und gleichzeitig wollen wir durch den Brief im Detail hindurchgehen.

Adressaten des Galaterbriefes

1.      „Paulus, Apostel, nicht von Menschen noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn aus den Toten auferweckt hat,

2.      Und alle Brüder, die bei mir sind, den Gemeinden von Galatien:

3.      Gnade euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus,

4.      Der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters,

5.      Dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Wer hat das Buch geschrieben? Das wird gleich in Galater 1, 1 beantwortet. Der Autor wird hier klar als Paulus, Apostel vorgestellt. Wir kommen darauf noch zurück. Wer sind die Adressaten? Das haben wir in V.2 gelesen: „...den Gemeinden von Galatien.“ Man beachte die Mehrzahl, nicht die Gemeinde von Galatien, sondern den Gemeinden von Galatien! Nun stellt sich die Frage, welche Gemeinden sind hier gemeint? Ich werde gleich zeigen, es sind die Gemeinden von Südgalatien und nicht die Gemeinden von Nordgalatien. Es gibt zwei Theorien, die man so in den Bibelkommentaren lesen kann, die Nordgalatische und die Südgalatische Theorie. Das tönt so theoretisch, aber das Ganze hat schon seine Bedeutung.

Aber vielleicht ist noch gut zu wissen, was die Hintergründe anbetrifft: um etwa 300 v. Chronik  wanderten Galier aus dem heutigen Frankreich aus, gingen durch Südeuropa hindurch und kamen dann in das Gebiet der galatischen Landschaft der heutigen Türkei. Diese galatische Landschaft wird ausdrücklich in Apostelgeschichte 16, 6 im Zusammenhang mit der 2. Missionsreise des Paulus genannt: „Sie durchzogen aber Phrygien und die galatische Landschaft, nachdem sie von dem Heiligen Geist daran gehindert worden waren, das Wort in Asien zu reden.“ Also da wird die galatische Landschaft erwähnt, das wäre also das Gebiet, indem sich diese Galier angesiedelt haben. Dieses Gebiet wurde später von den Römern erobert und um 25 v.Chr wurde dieses Gebiet der galatischen Landschaft zusammen mit Pysidien, Phrygien und Teilen von Lykaonien zu der römischen Provinz Galatien zusammengefasst. Nun ist es aber wichtig zu wissen, in der Apostelgeschichte ist es üblich, dass Lukas Gebietsnamen verwendet, während es in den Paulusbriefen üblich ist, dass er Proviznamen verwendet. Das macht schon mal klar, wenn Lukas in Apostelgeschichte 16 über die galatische Landschaft spricht, dann meint er nicht speziell die große römische Provinz Galatien, sondern effektiv dieses galatische Land, wo diese Galier sich angesiedelt hatten. Von Galier kommt dann übrigens das Wort „Galater“ und „Galatien“. Aber wenn Paulus in seinen Briefen über Ortsnamen von Gebieten spricht, dann benutzt er speziell die Provinznamen. Also wenn Paulus hier von Gemeinden in Galatien spricht, dann ist es nicht einfach so, dass er die Landschaft meint, sondern da meint er die Provinz. Das hilft uns beim Herausfinden, an wen sich der Galaterbrief zuerst richtete.

Nun, was die Nordgalatische Theorie anbetrifft: Paulus durchzog Nordgalatien gemäß Apostelgeschichte 16, 6 während der 2. Missionsreise, aber dies geschah nach dem Apostelkonzil von Apostelgeschichte 15! Später ging er wieder dort hindurch auf der 3. Missionsreise. In Apostelgeschichte 18, 23 beginnt gerade die 3. Missionsreise: „Und als er einige Zeit dort zugebracht hatte [in Antiochien, der Ausgangsgemeinde], reiste er ab und durchzog der Reihe nach die galatische Landschaft und Phrygien und befestigte alle Jünger.“ Nun ist Folgendes zu beachten: In Apostelgeschichte 15, auf diesem Konzil der Apostel, wurde die Frage besprochen: Ist es so, dass nichtjüdische Gläubige, die das Evangelium aufgenommen haben, auch noch beschnitten werden sollten, um wirklich errettet zu werden? Und diese Frage wurde dann dort von den Aposteln ganz eindeutig beantwortet. Und das ist genau das große Problem, die große Frage, die im Galaterbrief gestellt wird! Aber interessant ist noch, im Galaterbrief wird nicht argumentiert: Ja, was habt ihr für ein Problem, diese Frage ist schon längst von Aposteln in Jerusalem abgehandelt worden. Die haben ganz klar Weisungen gegeben, was hier Gottes Lehre ist und was Irrlehre ist. Aber das wird im Galaterbrief nicht erwähnt! Und nun, wenn die Nordgalatische Theorie stimmen würde, dann wäre der Galaterbrief sicher später als Apostelgeschichte 16, 6 geschrieben, vielleicht sogar später als Apostelgeschichte  18, 23. Aber dann wäre ja das Konzil schon längst eine historische Tatsache gewesen, aber warum fehlt es im Galaterbrief? Nun, wenn der Galaterbrief schon früher geschrieben worden ist, dann erklärt sich das eben von selbst. Das Konzil hatte noch nicht stattgefunden, darum konnte Paulus das gar nicht erwähnen.

Und nun ist es so: Die Entstehungsgeschichte der Südgalatischen Gemeinden, die wird in Apostelgeschichte 14 auf der 1. Missionsreise beschrieben. V.6ff:

6.      „sie entflohen, als sie es bemerkten, in die Städte von Lykaonien: Lystra und Derbe, und die Umgebung,

7.      und dort verkündigten sie das Evangelium.“

Es beginnt in Apostelgeschichte 13, geht bis Apostelgeschichte 14, da hat Paulus die Gebiete von Ikonium, Lystra und Derbe besucht, und diese Orte befinden sich eben im Südteil der römischen großen Provinz Galatien. Darum kann man also ableiten, der Galaterbrief ist geschrieben worden in der Zeit von Apostelgeschichte 14, nach Gründung dieser Gemeinden im Gebiet von Ikonium, Lystra, Derbe und noch vor dem Konzil der Aposteln in Apostelgeschichte 15!

Daraus folgt, dass dieser Brief der erste Brief von allen Paulusbriefen ist, alle anderen Briefe hat er nämlich später geschrieben. Das gibt diesem Brief natürlich ein ganz besonderes Gepräge, der erste inspirierte Brief des Apostel Paulus. Der letzte Brief, das ist der 2. Timotheusbrief, geschrieben aus der Todeszelle in Rom im Jahr 67, hat auch so ein ganz besonderes Gepräge, man könnte sagen als Testament des Paulus.

Nun also, die Adressaten sind Leute, die auf der 1. Missionsreise im Gebiet von Ikonia, Lystra und Derbe zum Glauben gekommen waren und die Mehrheit von diesen Leuten waren Nichtjuden. In Galater 4, 8-11 sagt Paulus den Galatern:

8.      „Aber damals freilich, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind;

9.      Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr aber von Gott erkannt worden seid, wie wendet ihr euch wieder um zu den schwachen und armseligen Elementen, denen ihr wieder von neuem dienen wollt?

10.   Ihr beachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre.

11.   Ich fürchte um euch, dass ich etwa vergeblich an euch gearbeitet habe.“

Also er sagt ganz klar, ihr habt früher Gott nicht gekannt, ihr habt falschen Göttern gedient. Und das macht deutlich, dass die Mehrheit der Galater eben wirkliche Heiden waren, nicht Juden. Aber wir werden gleich sehen, es kamen jüdische Irrlehrer zu den Gemeinden von Galatien und die haben so gewissermaßen gesagt: Es ist ganz toll, dass ihr jetzt gläubig seid und dass ihr auch das AT anerkennt, ihr glaubt an Jesus als Messias, aber um gerettet zu werden solltet ihr jetzt auch noch wirkliche Juden werden, ihr müsst beschnitten werden, ihr müsst die Feste der Bibel einhalten: Passahfest, Laubhüttenfest und das Fest der Wochen usw.

Und der Apostel Paulus sagt ihnen: Ihr beobachtet Tage und Zeiten und Jahre, ich fürchte, dass ich vergeblich für nichts um euch gearbeitet habe. Also diese jüdischen Irrlehrer versuchten die Galater aus Südgalatien ins Judentum hineinzuführen. Das wird so dramatisch in Galater 1, 6 beschrieben, also nach dieser kurzen Begrüßung beginnt der Apostel gleich mit dem zentralen Thema. V. 6-10:

6.      „Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium umwendet,

7.      Das kein anderes ist; nur dass einige da sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verdrehen wollen.

8.      Aber wenn auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium verkündigte außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht!

9.      Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wieder: Wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt außer dem, was ihr empfangen habt: Er sei verflucht!

10.   Denn suche ich jetzt Menschen zufriedenzustellen oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, so wäre ich Christi Knecht nicht.“

Also da sieht man etwas von diesen Irrlehrer, die da gekommen sind und das Evangelium verdrehen. Und noch Galater 5, 7-10:

7.      „Ihr lieft gut [die haben sich bekehrt und es ging wirklich gut]; wer hat euch aufgehalten, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht?

8.      Die Überredung ist nicht von dem, er euch beruft.

9.      Ein wenig Sauerteil durchsäuert den ganzen Teig.

10.   Ich habe Vertrauen zu euch im Herrn, dass ihr nicht anders gesinnt sein werdet; wer euch aber verwirrt, wird das Urteil tragen, wer er auch sei.“

Also, da sehen wir auch etwas von diesen Verführern, die haben die Galater durcheinander gebracht und verwirrt und hier wird die Irrlehre als Sauerteig bezeichnet. Es lohnt sich, mit der Konkordanz alle Stellen zum Sauerteig nachzuschlagen. Es ist wirklich so, Sauerteig in der Bibel ist immer negativ. Es beginnt beim Passahfest in Ägypten, 2. Mose 12, vor diesem Fest musste aller Sauerteig aus den Häusern entfernt werden. Dann finden wir im NT in 1. Korinther 5 die Stelle über den Sauerteig, der ausgefegt werden soll. Da wird es in Verbindung gebracht mit unmoralischen Dingen, also Sünde auf moralischem Gebiet. Jetzt hier an dieser Stelle wird der Sauerteig in Verbindung gebracht mit falscher Lehre. Warum ist Sauerteig ein Bild des Bösen? Ganz einfach, was macht der Sauerteig? Er bewirkt, dass der Teig sich aufbläht und vorgibt mehr zu sein als wirklich da ist. Darum ist der Sauerteig ein Lügner. Aber am Passahfest musste man ungesäuertes Brot sieben Tage lang essen und dieses Brot wird in 1. Korinther 5 „Brot der Lauterkeit und der Wahrheit“ genannt! Weil es eben nicht aufgeht und mehr vorgibt, als da ist. Darum ist dieses Brot, „Brot der Wahrheit und Lauterkeit“. Dann ist noch etwas Wichtiges zu beachten: Wenn man Sauerteig in Verbindung bringt mit ungesäuertem, frischen Teig, dann durchsäuert er in der kürzesten Zeit die ganze Masse. Das illustriert eben das Wesen der Sünde, es steckt an. Also das gleiche, was wir vom Bild mit den guten Äpfeln kennen: man gibt einen schlechten Apfel dazu und dann wird er nicht gut, sondern alle werden schlecht. So erklärt 1. Korinther 5: Unmoral in der Gemeinde führt dazu, dass die ganze Gemeinde infiziert wird. Darum muss Sauerteig entfernt werden, so wird das erklärt, warum eben Gemeindezucht, Gemeindeausschluss nötig ist bei schweren Sünden, wie vorehelicher Geschlechtsverkehr, das die Bibel Hurerei nennt, oder Ehebruch oder Raub, Trunkenheit, dazu würde übrigens auch Drogenmissbrauch gehören usw. Der Galaterbrief macht klar, auch Irrlehre ist Sauerteig! Also auch Irrlehre ist ein Grund, dass die Gemeinde eben Gemeindezucht üben müsste. So sehen wir, die Situation dieser Gemeinde hat so gut angefangen auf der 1. Missionsreise des Apostel Paulus und am Ende dieser Reise, noch bevor dieses Konzil in Jerusalem zustande kam, da muss Paulus einen Notfall-Brief schreiben: den Galaterbrief. Um diese Galater zu warnen vor dieser fatalen Irrlehre, die als Sauerteig wirken wollte. Nun, das führt uns dazu, dass wir den Galaterbrief so datieren: auf 50 n.Chr, also am Ende von Apostelgeschichte 14, d.h. am Ende der 1. Missionsreise, vor dem Apostelkonzil in Apostelgeschichte 15.

Nochmals möchte ich betonen: Die Erwähnung der Entschlüsse auf dem Konzil von Apostelgeschichte 15 wäre ein starkes Argument gegen die Irrlehre in Galatien gewesen. Doch es wird nicht erwähnt, weil es zur Zeit der Abfassung noch nicht stattgefunden hat! Also, darum sage ich, die Nordgalatische Theorie ist unglaubhaft. Die Galater gehörten zu diesen Gemeinden, wo auch Timotheus zum Glauben gekommen war. Das war auf der 1. Missionsreise. Timotheus war allerdings ein Jude, seine Mutter und Großmutter waren Juden. Es gab also schon auch jüdische Gläubige, aber die Hauptsache der Galater waren eben Nichtjuden.

Besonderheiten – Eigenhändig geschrieben

Unter Besonderheiten habe ich ein paar Punkte herausgegriffen, die mir jetzt besonders wichtig waren. Dieser Brief wurde von Paulus eigenhändig geschrieben. Offensichtlich hatte er niemanden, dem er diesen Brief diktieren konnte. Es war ja das Übliche, dass Paulus seine Briefe diktierte. Schauen wir mal kurz im Römerbrief nach, Römer 16, 22: „Ich, Tertius, der ich den Brief geschrieben habe, grüße euch im Herrn.“ Also, wer hat den Römerbrief geschrieben? Tertius. Aber Paulus hat ihn diktiert! Aus 2. Thessalonicher 3 lernen wir, dass Paulus immer den Schluss seiner Briefe eigenhändig geschrieben hat. Kap 3, 16:

16.   „Er selbst aber, der Herr des Friedens, gebe euch den Frieden allzeit auf alle Weise! Der Herr sei mit euch allen!

17.   Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand, was das Zeichen in jedem Brief ist; so schreibe ich.

18.   Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen!“

Paulus sagt, dass diese Zeilen hier von meiner Hand geschrieben sind. Das war ganz wichtig als Echtheitszeichen. In 2. Thes 2 spricht er davon, dass die Thessalonicher einen gefälschten Brief bekommen haben. Er sagt hier in Kap 2, 2 ihr müsst euch nicht durcheinanderbringen lassen durch einen solchen gefälschten Brief. Dann hat Paulus den 2. Thessalonicherbrief geschrieben, um die Thessalonicher zu warnen vor dieser Irrlehre durch einen gefälschten Brief und dann sagt er in Vers 17: „Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand, was das Zeichen in jedem Brief ist; so schreibe ich.“ Ja gut, sie hätten sagen können, woher sollen wir wissen, dass das jetzt Paulus ist und der andere ist nicht Paulus? Ganz einfach, schaut mal nach im 1. Thessalonicherbrief. Der Schluss dort war ja auch schon eigenhändig geschrieben. So konnten sie erkennen, aha, das ist die Schrift von Paulus. Der erste Brief ist von Paulus, aber dann kam ein gefälschter Brief (von dem haben wir keine Spur mehr, der wurde schon längst liquidiert), aber der 2. Thessalonicherbrief ist erhalten bis auf den heutigen Tag, weil er das Echtheitszeichen hatte wie alle anderen Paulusbriefe. Es ist ja so, man muss annehmen, die Paulusbriefe blieben eine längere Zeit erhalten. Man findet bei Tertulian, einem Kirchenlehrer um 200 n.Chr eine ganz interessante Stelle, wo er davon spricht, wie in den Gemeinden noch die authentischen Briefe vorhanden sind! Damit wandte er sich gegen die Abschriften von Bibelbüchern, wo Irrlehrer auch gewisse Veränderungen anbringen wollten. Da konnte man ganz immun sein, indem man immer wieder in diesen Gemeinden, wo die ursprünglichen Briefe noch da waren (bis 200 n.Chr oder noch länger konnte Papyrus erhalten bleiben), die Originalbriefe einsehen und die Handschriften nach diesen Originalen noch eichen konnte.

Besonderheiten – Paulus Augenprobleme

Beim Galaterbrief war es sehr Speziell. Paulus hat ihn eigenhändig geschrieben. In der alten Elberbibel steht in Kap 6, 11 folgendes: „Seht, welch einen langen Brief ich euch geschrieben habe mit eigener Hand!“ Aber in der Fußnote wird übersetzt: Seht, mit welch großen Buchstaben ich euch geschrieben habe mit eigener Hand! So lang ist der Galaterbrief nicht. Der Römerbrief ist ja viel, viel länger. 1./2. Korintherbrief auch. Beim Hebräerbrief steht sogar in Kap 13 „Ich habe euch mit kurzen Worten geschrieben“ – das sind aber 13 Kapiteln.

Für Paulus war das eine besondere Anstrengung, dass er den Galaterbrief nicht diktieren konnte, sondern eigenhändig schreiben musste. Da sehen wir, es gab offensichtlich ein Augenproblem. Schauen wir mal, Kap 4, 12:

12.   „Seid wie ich, denn auch ich bin wie ihr, Brüder, ich bitte euch; ihr habt mir nichts zuleide getan.

13.   Ihr wisst aber, dass ich euch einst in Schwachheit des Fleisches das Evangelium verkündigt habe;

14.   und die Versuchung für euch, die in meinem Fleisch war, habt ihr nicht verachtet noch verabscheut, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, wie Christus Jesus.

15.   Wo ist nun eure Glückseligkeit? Denn ich gebe euch Zeugnis, dass ihr, wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet.

16.   Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage? Sie eifern um euch nicht gut, sondern sie wollen euch ausschließen, damit ihr um sie eifert.“

Nicht wahr, die Galater hatten den Apostel Paulus damals auf seiner 1. Missionsreise, als sie zum Glauben gekommen waren, aufgenommen. Es war so wunderbar, wie dieser Missionar da zu ihnen kam und die Wahrheit Gottes in die Finsternis des Heidentum hineingebracht hatte. Aber in der Zwischenzeit hatten sie Besuch bekommen und dieser Besuch hatte den Galatern offensichtlich erklärt: „Also dieser Paulus ist das Problem. Das ist ein schlimmer Mann. Der verdreht die Sachen, er sagt, ihr müsst nicht beschnitten werden und solches Zeugs.“ Jetzt sagt Paulus: „Wie war das damals? Jetzt schaut ihr mich als einen Feind an, aber damals, als ich zu euch gekommen war, habt ihr mich aufgenommen, obwohl diese Prüfung da war in meinem Fleisch. Wenn’s möglich gewesen wäre, hättet ihr eine Augentransplatation vorgenommen! Ihr hätte die Augen ausgerissen und eingesetzt.“ Das kann man auch heute nicht. Das Auge ist so kompliziert, was da in den Augenhöhlen eingebaut ist und mit dem Sehnerv nach hinten bis ins Nahhirn verbunden ist. Es ist eine wunderbare Konstruktion. Aber Paulus sagt, ihr hättet eure Augen ausgerissen und mir gegeben. Also hatte er ein Problem mit den Augen! Das war dann natürlich umso mühsamer für ihn, diese sechs Kapitel eigenhändig zu schreiben. Er hat mit ganz großen Buchstaben geschrieben.

Dass er ein Augenproblem hat, könnte man auch aus Apostelgeschichte 23 ableiten, als er da als Verhafteter vor dem Sanhedrin war. Er war in der Königlichen Säulenhalle ganz im Südenende des Tempels in Jerusalem:

1.      „Paulus aber blickte das Synedrium unverwandt an und sprach: Brüder! Ich habe mit allem guten Gewissen mein Leben vor Gott geführt bis auf diesen Tag.

2.      Der Hohepriester Ananias [das war übrigens der Ananias Ben Nedebaios, der von 47-48 Hohepriester in Jerusalem war] aber befahl denen, die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen.

3.      Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand! [Getünchte Wand heißt Heuchler. Eine getünchte Wand ist eine unschöne Wand, die mit Kalk bestrichen wird, was gerade in den Mittelmeerländern etwas sehr Typisches ist, z.B., wenn der Putz so abbröckelt. Da gibt es im Italienischen einen speziellen Ausdruck für die Stelle an der Wand, wo der Putz abgebröckelt ist, da heißt es „il talge natura“. Dann muss man wieder Kalk nehmen und das wieder überschmieren und dann sieht die üble Wand wie neu aus. Wenn Paulus dem Hohenpriester sagte „Du bist ein Heuchler“, sagte er „Du bist eine getünchte Wand“.] Und du sitzt da, um mich nach dem Gesetz zu richten, und gegen das Gesetz handelnd befiehlst du, mich zu schlagen?

4.      Die Dabeistehenden aber sprachen: Schmähst du den Hohenpriester Gottes?

5.      Und Paulus sprach: Ich wusste nicht, Brüder, dass er Hoherpriester ist; denn es steht geschrieben: „Von einem Fürsten deines Volkes sollst du nicht übel reden.“ (Zitat aus 2. Mose 22, 27)

Wieso hat er nicht gewusst, dass das der Hohepriester ist? Ja, weil er nicht so gut gesehen hat! Nun, das war natürlich auch nicht eine wirkliche Entschuldigung, denn er musste dann doch zurücknehmen, dass er falsch gehandelt hat. Er konnte da sicher nicht sagen, dass er da Geist Gottes geleitet gehandelt hat. Das war schon eine fleischliche Entrüstung. Aber das weist auch auf ein Problem mit den Augen hin. Da könnte man sagen: Ja gut, könnte sein. Aber in Galater 4 ist es eben klar, weil er sagt, ihr hättet die Augen ausgerissen und mir gegeben. Also zeigt das, wie der Galaterbrief so ein ganz besonderer Brief ist. Apostel Paulus musste ihn eigenhändig in großer Mühe in großen Buchstaben schreiben. Warum? Weil es so dringend war! Es durfte keine Zeit verloren gehen. Die Galater mussten sofort gewarnt werden, bevor dieser Sauerteig noch weiter gewirkt hatte. Das gibt dem Ganzen schon ein besonderes Gepräge. Wenn man denkt, das ist genau die Irrlehre, die später die Christenheit in großen Maßen gefangen nehmen sollte. Die römisch-katholische Kirche usw.

Besonderheiten – Ungewöhnlicher Aufbau

Noch mehr ist in diesem Brief ungewöhnlich. Der nächste Punkt auf dem Blatt ist der ungewöhnliche Aufbau. Zuerst kommen biografische Ausführungen, danach kommt der lehrhafte Teil. Üblich ist es ja so, z.B. im Römerbrief, dass Paulus zuerst die Lehre bringt und dann im Anhang ganz am Schluss kommen einige biografische Einzelheiten aus seinem Leben. Auch in anderen Briefen kann man das so beobachten. Aber im Galaterbrief es ist ganz, ganz anders. Der Brief ist einfach ungewöhnlich. Aber dieser biografische Teil ist eben ganz wichtig, wie wir gleich noch sehen werden. Das sieht man auch daran, es sind ungewöhnlich ausführlich biografische Angaben (Kap. 1-2). Erst in Kapitel 3 kommt der eigentliche lehrhafte Teil.

Besonderheiten – Ungewöhnlicher Anfang

Auch der Anfang ist ungewöhnlich. So oft sehen wir in den Briefen, dass Paulus zuerst dankt und das Gute in den Gemeinden anerkennt, die er anspricht. Dann kommt natürlich die Ermahnung und Zurechtweisung. Hier: nichts. Da gibt es nichts zu erwähnen, was irgendwie Dank enthält, sondern er geht so ins Zentrum: „Ich wundere mich, dass ihr so schnell...“ (Vers 6). Das zeigt auch wieder, wie dringlich die Sache ist. Es ist nicht einfach so, das man das ein bisschen locker nehmen kann. Die Katholiken sehen das ein bisschen anders, aber ja, kann man da nicht doch eine Zusammenarbeit machen, oder? Nein! Da realisiert man nicht, worum es hier geht. Da wird nichts gedankt, sondern stattdessen: Kap 1, 6: „Ich wundere mich, dass ihr so schnell...“. Kap 5, 8: „Die Überredung ist nicht von dem, der euch beruft.“ Kap 5, 10: „... wer euch aber verwirrt, wird das Urteil tragen, wer er auch sei.“ Das ist alles sehr hilfreich für uns.

Ich komme zurück auf die Eingangsverse. Der Apostel Paulus stellt sich vor mit dem ersten Wort „Paulus“, das heißt „der Kleine“. Aber dann fügt er gleich hinzu „Apostel, nicht von Menschen noch durch einen Menschen“. Damit betont er, das Evangelium, das ich euch gebracht habe, das habe ich euch gebracht als ein Mensch, der sich bewusst ist, wie klein er ist vor Gott. Früher hieß er ja „Saulus“ – der Begehrte. Seine Eltern haben diesen Namen zweifellos gegeben in Anspielung an König Saul. Saulus Eltern waren aus dem Stamm Benjamin, wie der König Saul. Saul, der Begehrte des Volkes, war ein Kopf größer als alle. Sie haben gedacht, dieses Baby soll mal was ganz Großes werden. Ja, das ist so die Gefahr bei den Eltern, oder? Man denkt, es soll mal was ganz Großes werden und in Amerika, natürlich nicht bei uns, kann es sein, dass man die kleinen Kinder auf dem hohen Stühlchen füttert und sagt „Du musst essen, sonst wirst du nie Präsident von Amerika!“. Ich habe aber noch nie gehört „Du musst gut essen, sonst wirst du nie Missionar in Kamerun!“. Also, Sauls Eltern haben gedacht, er muss mal was Großes werden. Später haben sie ihn zu einem der größten Rabbiner des Judentums nach Jerusalem geschickt, von Tarsus aus nach Jerusalem. Als Paulus dann zum Glauben kam, ist er ganz klein geworden, zusammengebrochen vor Gott. Er hat sich selber diesen Namen „Paulus“ gegeben und er kommt dann plötzlich vor in Apostelgeschichte 14. Ich bin zwar als Mensch ganz klein, aber Gott hat mich berufen und hat mir eine göttliche Autorität in diesem Dienst der Lehre gegeben. Und darum bin ich Apostel, „nicht von Menschen“. Also Menschen haben mich nicht da geschickt und ich bin auch nicht durch Vermittlung von Menschen ein Apostel geworden, nein, sondern direkt von Gott, Jesus Christus und Gott, den Vater. Und damit zeigt er, was ich euch bringe, ist nicht einfach irgendeine Lehre, so wie die Leute, die gekommen sind und euch verwirrt haben. Es kommt wirklich direkt, mit der direkten Autorität von Gott her.

Dann ist auch schön, wie in allen Briefen an Gemeinden sagt er:

3.      „Gnade euch und Friede von Gott, dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. [Dann führt er es noch mehr aus:]

4.      Der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters, dem die Herrlichkeit sei von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“

Da wird er plötzlich sehr ausführlich. Er lobt nicht die Galater, aber er lobt den großen Gott, der Gnade und Frieden gegeben hat. Gnade wird zu einem Hauptwort in diesem Brief. Wir werden sehen, 7x wird über die Gnade Gottes gesprochen. Ich habe das im Skript aufgeführt bei den Besonderheiten, bei wichtigen Wörtern. Gnade (charis): 7x (Galater 1, 3.6.15; 2, 9.21; 5, 4; 6, 18). Diese Gnade Gottes, die alles ausmacht, kein menschlicher Verdienst. Das wird hier im Vers so hervorgehoben, indem erklärt wird, dass der Herr Jesus sich selber für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt. Da ist noch schön zu vermerken, das Herausnehmen ist im Griechischen eine Mediumform. Im Griechischen gibt es eine Aktivform (ich wasche), Passivformen (ich werde gewaschen) und die Mediumform/Medialform (ich wasche mich), oft eine Handlung, die man an sich selber vollzieht. Aber das Medium wird auch gebraucht bei Wörtern, wo man eine Handlung tut im eigenen Interesse. Das ist hier in Vers 4 so. Der tiefere Sinn ist der: Der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns für sich herausnehme aus der gegenwärtigen bösen Welt. Da wird gleich noch betont, dass der Herr Jesus uns nicht einfach nur herausgenommen hat, sondern er wollte uns ganz für sich haben. Er wollte uns mit niemand anderem teilen! Ja, die Galater haben erlebt, wie der Feind Ansprüche an sie erheben möchte. Das wollte er durch Irrlehre ausführen, aber er sagt hier, der Herr Jesus hat uns herausgenommen für sich! Er will uns ganz für sich haben. Ein schöner Gedanke! Wir denken noch oft daran, wie wunderbar es für uns ist, dass wir den Herrn Jesus haben, Gott den Vater haben. Aber dass wir daran denken, dass es für den Herrn Jesus etwas Wunderbares ist, die Erlösten für sich zu haben! Das soll uns zum Staunen bringen. So wie in Epheser 1 steht ja auch, dass Gott uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft für sich selbst! Er betont hier, der Herr will uns ganz für sich selbst und mit niemanden teilen. Darum hat er uns herausgenommen aus der gegenwärtigen bösen Welt. Nun, die böse Welt ist nicht nur Disko, usw. Das auch, natürlich! Aber auch religiös Böses. Auch diese Irrlehrer von Galatien, die gehörten mit zur Welt! Und der Herr hat uns herausgenommen ganz für sich.

Jetzt kommen wir zurück zu Vers 6: Er wundert sich, dass sie sich so schnell „von dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, umwendet“. Sehen wir, die Gnade wird wieder betont, nicht Verdienst, sondern durch unverdiente Freundlichkeit, Barmherzigkeit von Christus. Und jetzt seid ihr „zu einem anderen Evangelium umgewendet“. Da lohnt es sich auch wieder Griechischunterricht zu haben. „Anderes“, da gibt es im Griechischen zwei verschiedene Wörter: es gibt das Wort allos und heteros. Beides heißt das Gleiche, aber es gibt einen Unterschied. Allos bedeutet ein anderer von gleicher Art, heteros bedeutet ein anderer von anderer Art. Hier sagt er, ich wundere mich, dass ihr umgekehrt seid zu einem anderen Evangelium. Das bedeutet ein Evangelium von anderer Art! Es ist nämlich nicht ein anderes von gleicher Art. In Vers 6 benutzt er heteros, in Vers 7 allos: zu einem heteros Evangelium umwendet, das kein allos ist. Es ist kein allos, sondern ein heteros, also ein Evangelium von anderer Art! Es ist also nicht irgendwie graduell ein bisschen anders, sondern es ist etwas ganz anderes, völlig anderer Art. Das ist auch gerade heute wichtig, wo die Evangelikalen an einem Scheideweg stehen, auch in ihrem Verhältnis zur katholischen Kirche. Es ist ein anderes Evangelium von anderer Art! Und noch stärker: es ist gar kein Evangelium! Es ist eine Verkehrung des Evangeliums (siehe Vers 7):

7.      „das kein allos ist; nur dass einige da sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus verdrehen [verkehren] wollen.“

Jetzt kommt ein ganz interessanter Satz: „Wenn ein Engel aus dem Himmel euch etwas anderes verkündigen würde außer dem, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: der sei unter dem Fluch Gottes.“ Anathema. Ein hartes Wort. Übrigens ist anathema in den katholischen Konzilbüchern immer wieder zu finden. Also wenn die katholischen Konzilien irgendeine Irrlehre verurteilen, dann sagen sie „wer dies und dies lehrt, der sei anathema“. Am Konzil von Trient, das war das Konzil als Gegenreaktion der Reformation, dort hat man beschlossen, wer glaubt, dass er errettet werde durch Glauben allein, sei anathema! Dabei muss man wissen, dass Konzilien nach katholischer Lehre unfehlbar sind. Die kann man nicht zurücknehmen. Das gilt bis heute. Jeder hier, der glaubt, ich bin errettet, ich bin gerecht gesprochen von Gott allein durch den Glauben, ohne meine eigene Leistung, der wird durch das Konzil von Trient verflucht. Mit dem gleichen Wort wie hier, anathema.

Dann ist das natürlich noch interessant mit diesem Engel aus dem Himmel, der etwas anderes verkündigt. Schauen wir im Skript bei Besonderheiten, da habe ich auf den „Engel Gabriel“ verwiesen, der Muhammad von 610-632 n. Chronik  erschienen ist. Das erste Mal im Monat Ramadan, da kam die erste koranische Offenbarung. Nie hat Allah direkt zu ihm gesprochen, das geschieht immer über einen Engel. Dieser Engel erklärte sich gegenüber Muhammad, dass er der Engel Gabriel sei. Ein Engel Gottes aus dem Himmel, wenigstens nach seiner Behauptung. Der hat ihm eine Botschaft gebracht, die nicht graduell etwas anderes ist von dem, was wir in der Bibel haben, sondern grundsätzlich etwas anderes! Denn der Koran leugnet, dass Jesus Christus am Kreuz gestorben ist usw. Das Evangelium wird völlig verdreht. Da ist es doch schon interessant, mehr als ein halbes Jahrtausend, bevor der Islam entstand, der sich so ausgebreitet hat, dass heute mehr als eine Milliarde Menschen dazugehören, ungefähr 1/6 der Menschheit. Da warnt der Galaterbrief, wenn ein Engel euch etwas anderes verkündigen wird als das, was ich euch verkündige, der sei verflucht.

Gut, da können die Muslime sagen, ja aber, wir lesen im Koran, dass die Christen die Bibel verfälscht haben. Ja gut, wann wurde der Galaterbrief denn verfälscht? In der Zeit von Muhammad, in den Handschriften des NT aus der Zeit von Muhammad. Aber da steht genau das, was wir im Galaterbrief haben. Ja aber, vielleicht ein bisschen vorher, im 5. Jahrhundert? Aber es gibt auch Handschriften aus dem 5. Jahrhundert, 4., 3., 2. und 1. Jahrhundert! Ich habe heue morgen diesen P-46 erwähnt, der die Paulusbriefe enthält, 80% des Textbestandes ist noch erhalten und damit können wir mit den Paulusbriefen zurückgehen bis ins 1. Jahrhundert! Man kann nicht sagen, dass das NT verändert worden ist. Dann wird es natürlich ganz heiß. Jetzt muss man sich entscheiden, man kann nicht beides stehen lassen. Es ist doch eindrücklich, dass der Galaterbrief schon so lange im Voraus, bevor es überhaupt aufkam, so geschrieben wurde: ein Engel Gottes ein anderes Evangelium bringt.

Dann sagt Paulus, auch wenn wir, oder ganz allgemein, wenn jemand euch etwas als Evangelium verkündigt, außer dem, was ihr empfangen habt, der sei verflucht. Also es kommt überhaupt nicht darauf an, wer das tut. Wenn es möglich gewesen wäre, dass der Apostel Paulus später den falschen Weg gegangen wäre, es hätte nichts geändert an der Wahrheit. Das ist doch interessant, auch wenn Gläubige, die einen Lehrdienst getan haben, später zu Fall kommen, könnte man denken, jetzt vergessen wir alles, was er je gesagt hat. Nein, dann machen wir einen Schnitt, mit dem falschen Weg, den er jetzt geht, können wir nichts zu tun haben. Aber das, was früher gut war, steht unabhängig von der Person, weil es von Gott her kommt! Darum ist es auch so wichtig, dass Paulus sagt, „Paulus, Apostel, nicht von Menschen noch durch einen Menschen“, es geht gar nicht um seine Person. So geht es grundsätzlich nicht um die Person, die etwas weitergibt, es geht um die Frage, ist es das Wort von Gott oder ist es nicht. Darum sagt er, wenn jemand euch etwas anderes verkündigt, es kommt gar nicht darauf an. Es kann auch ein Konzil sein, das etwas anderes verkündigt. Es kommt nicht darauf an, dann ist es anathema. In Vers 10 wird ihnen klar gemacht, es geht nicht um eine menschliche Sache, das Evangelium ist nicht menschengemäß. Ich will nicht Menschen gefallen, denn dann könnte ich gar nicht Christi Knecht sein. „Denn suche ich jetzt Menschen zufriedenzustellen oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, so wäre ich Christi Knecht nicht.“

11.   „Ich tue euch aber kund, Brüder, dass das Evangelium, das von mir verkündigt worden ist, nicht nach dem Menschen ist [oder nicht menschengemäß ist].“

Jawohl, das ist das Typische, das Evangelium schmeichelt dem Menschen nicht und das macht die Leute eben so verrückt. Denn wenn man ihnen sagt, die Bibel erklärt, wir sind Sünder vor Gott, das kann gar nicht sein, also ist nicht menschengemäß. Man hat Liebe, wenn man sagt, ja, du müsstest eigentlich entdecken, dass der göttliche Funke in dir ist oder dass du selber göttlich bist, aber das kannst du zuerst mit Meditation erfahren. So geht das im Hinduismus, das ist menschengemäß. Der Mensch möchte sich geschmeichelt wissen oder er muss etwas leisten. Und wenn du das tust, grade im Islam, dann vielleicht wirst du gerettet werden. Das schmeichelt dem Menschen, wenn er etwas vorzeigen kann, aber das, wie die Bibel sagt, der Mensch ist vollkommen verdorben und nur durch die Gnade Gottes kann er gerettet werden durch Glauben allein, ohne eigene Leistung, das ist nicht menschengemäß! Paulus sagt, es geht mir nicht darum, dass ich Menschen irgendwie gefalle, das Evangelium ist nicht menschengemäß. Warum? Wir lesen in Vers 12 weiter:

12.   „Denn ich habe es weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi.“

 

Biografischer Teil: Die Autorität des Apostels Paulus

Ja, im Judentum hat er bei Rabbi Gamaliel studiert, bei einem größten Rabbiner. Das kommt auch im Talmud vor, aber das Evangelium hat er von Gott direkt geoffenbart bekommen. Also, so ist der Herr Jesus nach seiner Bekehrung dem Paulus wiederholt erschienen und hat ihm ganz spezielle, direkte Offenbarung gegeben. Darum schreibt er in seinen Briefen z.B. über die Geheimnisse Gottes, die im AT verborgen waren und er durfte sie mitteilen. Man denke an die acht Geheimnisse in den Paulusbriefen.

13.   Denn ihr habt von meinem ehemaligen Wandel in dem Judentum gehört, dass ich die Versammlung Gottes über die Maßen verfolgte und sie zerstörte

14.   Und in dem Judentum zunahm über viele Altersgenossen in meinem Geschlecht, indem ich übermäßig ein Eiferer für meine väterlichen Überlieferungen war.

15.   Als es aber Gott, der mich von meiner Mutter Leib an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel,

16.   Seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Nationen verkündigte, ging ich sogleich nicht mit Fleisch und Blut zu Rate

17.   Und ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ich ging fort nach Arabien und kehrte wieder nach Damaskus zurück.

18.   Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.

19.   Ich sah aber keinen anderen der Apostel, außer Jakobus, den Bruder des Herrn.

20.   Was ist euch aber schreibe, siehe, vor Gott! – ich lüge nicht.

Er beschreibt jetzt, wie er im Judentum aufgewachsen ist und daran war eine unglaublich steile Karriere zu machen. Eben ausgelöst durch die Eltern, die ziemlich ehrgeizig waren mit dem Jungen. Er sollte nach seiner Lehre, die er wohl bei seinem Vater, wie es üblich war, gemacht hat, so im Kindergartenalter hat man begonnen, hat er Zeltmacher gelernt. Apostelgeschichte  18 macht das klar, dann wurde er nach Jerusalem geschickt, um dort Rabbiner zu werden und zwar beim Superrabbiner, bei Gamaliel. Er war ein Eiferer für die väterliche Überlieferungen, das sind eben die Dinge, die auch im Talmud überliefert worden sind. Zuerst mündlich aber ab dem 2. Jhd hat man dann in der Mischna den 1. Teil des Talmud begonnen zu fixieren. Er war ein übermäßiger Eiferer für diese Mischna Lehren und dann kam aber der Moment der Bekehrung, Vers 15: „Als es aber Gott, der mich von meiner Mutter Leib an abgesondert und durch seine Gnade berufen hat, wohlgefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren,...“. Also, den Zeitpunkt der Bekehrung konnte Paulus nicht bestimmen, Gott hat einen Plan gehabt: zu diesem Zeitpunkt werde Ich mich Paulus offenbaren, dem Saulus, und der ist dann auch zusammengebrochen. Herr, wer bist du?

Aber das Schöne hier ist, er sagt, dass Gott ihn bereits abgesondert hat von Mutterleib an. Das bedeutet, das ganze Leben vor der Bekehrung war schon in Gottes Plan, in Gottes Hand. Daran denken wir vielleicht zu wenig. Wir denken, dieses alte Leben und jetzt ist es vorbei, das ist auch glücklicherweise richtig, ein Schussstrich und jetzt führt mich Gott. Aber wir dürfen durch die Gnade Gottes rückblickend erkennen, dass sogar damals im unbekehrten Zustand, da waren wir nicht einfach dem blinken Schicksal anheimgestellt, sondern Gott hat da seine führende Hand bereits darin gehabt. Da fragt man sich vielleicht, warum habe ich damals diese Lehre gemacht, diese Ausbildung? Heute würde ich das ganz anders machen. Man muss nicht einfach so denken, ah, so zufällig habe ich dummerweise mich damals so entschieden. Nein, Gott hatte bereits da seine Hand drin, obwohl wir uns gar nicht unter Seine Hand beugen wollten. Und alles, wie wir geformt wurden, war bereits schon eine Formierung im Blick auf den Dienst, den Gott uns geben wollte ab der Bekehrung.

Wir haben die Bekehrungsgeschichte des Paulus an drei Stellen: Apostelgeschichte  9, Apostelgeschichte  22 und Apostelgeschichte  26. Wenn man dort nachliest, sagt der Herr Jesus sofort zu Paulus: du bist mir ein auserwähltes Gefäß und ich sende dich zu den Nationen und er gibt ihm einen ganz klaren Plan für sein Leben. Aber wir sehen eben Gottes souveräne erhabene Führung schon im Blick auf die Ziele, die er später haben sollte ab der Bekehrung. Ich finde das wirklich ein ganz mutmachendes Wort, das hilft uns vielleicht, das Leben auch früher besser in Gottes Plan einzuordnen.

Dann erklärt der Apostel Paulus, ich bin dann eben nicht mit Fleisch und Blut zu Rate gegangen, ich bin nicht nach Jerusalem gegangen zu den anderen Aposteln, ich bin nach Arabien weggegangen und dann kam ich wieder zurück nach Damaskus. Jetzt kommen die liberalen Theologen und sagen: Seht ihr, da ist ein Fehler, ein Widerspruch zur Apostelgeschichte 9, die Bekehrungsgeschichte des Saulus:

20.   „Und sogleich predigte er in den Synagogen Jesus, dass dieser der Sohn Gottes ist.“

Das geschieht immer noch in Damaskus.

22.   „Saulus aber erstarkte umso mehr und brachte die Juden, die in Damaskus wohnten, in Verwirrung, indem er bewies, dass dieser der Christus ist.

23.   Als aber viele Tage verflossen waren, beratschlagten die Juden miteinander, ihn umzubringen.

24.   Ihr Anschlag wurde aber Saulus bekannt. Sie bewachten aber auch die Tore, sowohl bei Tag als auch bei Nacht, damit sie ihn umbrächten.

25.   Die Jünger aber nahmen ihn bei Nacht und ließen ihn durch die Mauer hinab, indem sie ihn in einem Korb hinunterließen.

26.   Als er aber nach Jerusalem gekommen war, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen; und alle fürchteten sich vor ihm, da sie nicht glaubten, dass er ein Jünger sei.“

Hier haben wir Paulus, der sich vor Damaskus bekehrt, dann geht er nach Damaskus, predigt in Damaskus und dann kommt dieser Mordanschlag. Er kann aus Damaskus fliehen und er kommt nach Jerusalem. Aber hier im Galaterbrief steht etwas ganz anderes:

17.   „Und ging auch nicht hinauf nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ich ging fort nach Arabien und kehrte wieder nach Damaskus zurück.

18.   Darauf, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem hinauf, ...“

Also, der Galaterbrief sagt, das waren drei Jahre, bis er dann nach Jerusalem ging. Jetzt ist es ganz einfach, wenn man gut liest. Wir haben in Apostelgeschichte 9, 23 gesehen: „Als aber viele Tage verflossen waren...“. Aha, da ist eine längere Zeit drin, viele Tage, das sind insgesamt drei Jahre!

Das heißt also, von Damaskus aus ging Paulus nach Arabien. Das ist übrigens eine Bezeichnung der Wüste, das könnte das Sinai-Gebiet bezeichnen, dann auch die Wüste von Jordanien bis Syrien, bis Damaskus hinauf. Also, „Arabien“ war damals ein sehr weiter Begriff und kann also bedeuten, dass er irgendwo so in die Wildnis ging, von Damaskus weg und dann wieder nach Damaskus zurückkam. Am Ende dieser Zeit, als er wieder zurück war, da waren schon viele Tage verflossen seit der Bekehrung, nämlich drei Jahre, dann kam dieser Mordanschlag und dann ging er nach Jerusalem. So gehen diese Bibelstellen zusammen, man muss einfach genau lesen. Aber diejenige, die gerne Fehler in der Bibel suchen, die bemühen sich eben nicht, das gut zu vergleichen.

Also, dann geht er hinauf nach Jerusalem und da hatte er eine erste Begegnung mit Kephas, d.h. mit Petrus, gemacht und auch mit Jakobus, dem Halbbruder des Herrn Jesus. Und dann lese ich weiter:

21.   „Darauf kam ich in die Gegenden von Syrien und Zilizien.

22.   Ich war aber den Versammlungen von Judäa, die in Christus sind, von Angesicht unbekannt;

23.   Sie hatten aber nur gehört: Der, der uns einst verfolgte, verkündigt jetzt den Glauben, den er einst zerstörte.

24.   Und sie verherrlichten Gott an mir.“

Kapitel 2:

1.      „Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wieder nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit.

2.      Ich zog aber hinauf infolge einer Offenbarung und legte ihnen das Evangelium vor, das ich unter den Nationen predige, im Besonderen aber den Angesehenen, damit ich nicht etwa vergeblich laufe oder gelaufen wäre

3.      (aber auch Titus, der bei mir war, wurde, obwohl er ein Grieche war, nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen)“.

 

Besonderheiten – Chronologie in der Apostelgeschichte und dem Galaterbrief

Himmelfahrt und Pfingsten fanden 32 n. Chr. statt, das entspricht Apostelgeschichte 1 und 2. Dann verging ja ein Jahr bis zur Steinigung des Stephanus. Das ist dieses eine Jahr, das der Herr Jesus erwähnt in Lukas 13, 6-9 in dem Gleichnis, wo Er sagt, am Feigenbaum Israel hatte Er drei Jahre lang Frucht gesucht (das war sein öffentlicher Dienst) und es gab keine Frucht, darum sollte der Feigenbaum Israel abgeschlagen werden. Aber der Weingärtner, ein Bild des Heiligen Geistes, setzt sich nochmal ein und sagt: Ich will noch einmal graben und düngen, noch ein Jahr, und wenn er immer noch keine Frucht bringt, dann magst du ihn künftig abhauen. Dieses eine Jahr war eben die Zeit, wo ab Pfingsten in Apostelgeschichte  2-7 das Evangelium nur in Jerusalem verkündigt wurde. Ganz besonders die Führerschaft hatte immer noch eine Chance, das Evangelium zu hören, aber sie wollten nicht umkehren und sie haben das Zeugnis des Heiligen Geistes mit der Ermordung des Stephanus beantwortet. Mit der Ermordung kam es dann zur Verfolgung und die Jünger wurden aus Jerusalem hinaus zerstreut und dann begann die Weltmission bei den Samaritern und dann schon gleich bei den wirklichen Heiden. Also das war dieses eine Jahr nochmals Chance bis zur Steinigung des Stephanus, das wäre also 33 n. Chronik  

Dann kommt im Zusammenhang mit Stephanus die Bekehrung des Saulus, immer noch 33 n. Chronik  Der erste Jerusalembesuch fand drei Jahre nach der Bekehrung statt, das wäre 36 n. Chr, das ist der Besuch von Apostelgeschichte 9, 25 ff und Galater 1, 18. Dann ging Paulus nach Tarsus, man macht nämlich wieder den Mordanschlag in Jerusalem, aber dann wurde er auch wieder evakuiert und er ging nach Tarsus heim, da, wo er aufgewachsen war. Dann hört man nichts mehr von Paulus, erst wieder in Apostelgeschichte 11, 25, als die Gemeinde in Antiochien, in der heutigen Südtürkei, aus Heiden entstanden war. Barnabas ging da nach Tarsus, suchte Paulus (er wusste also nicht genau, wo er war), fand ihn und brachte ihn nach Antiochien. Dort haben sie zusammen ein ganzes Jahr einen Dienst getan in dieser neu entstandener Gemeinde aus Nichtjuden.

Ja, das war eine lange Zeit, das ist also eine Lücke in der Berichterstattung der Bibel, 36-49 n.Chr, und das nenne ich „die Zeit der Reifung“. Man hört nicht, was da in dieser Zeit geschehen ist. Ja gut, da können wir denken, dass eben diese Offenbarungen Jesu Christi auch da stattgefunden haben, das muss man nicht in diese drei Jahre in Arabien beschränken, oder? Und er muss ein Zeugnis sein dort, wo er aufgewachsen war, bevor er dann in die Weltmission ging. Auch wieder ein wichtiges Prinzip, das man manchmal bei Kindern, die sagen, oh, ich möchte in die Mission gehen, sagen muss: und in deiner Schulklasse? – Ist uns sowieso blöd. – Ja, es ist auch so, sind blöd, aber nicht unbedingt alle, aber es ist schon schwierig. Und man muss erklären, es ist ganz wichtig, bevor wir die Mission wo anders machen können, müssen wir auch da, wo wir sind, uns bewähren. Aber der Herr wird uns helfen, aber es ist viel schwieriger.

Und dann kam eben dieses eine Jahr in Antiochien, da war er mit Barnabas zusammen und mit den anderen, er hat die Gemeinde belehrt und aufgebaut, Apostelgeschichte 11, 19-26 und dann kam sein zweiter Jerusalembesuch. Wir haben hier in Galater, 2, 1 gelesen: „Darauf, nach vierzehn Jahren, zog ich wieder nach Jerusalem hinauf mit Barnabas und nahm auch Titus mit.“ Es war nämlich so: Es gab eine Hungersnot und die Gläubigen in Antiochien haben gesammelt, aber diese Unterstützung sollte den Gläubigen in Judäa, Jerusalem eben durch Leute gebracht werden, die wirklich zuverlässig waren und ein gutes Zeugnis haben. Und so ging Paulus mit Barnabas nach Jerusalem und dann kam er wieder in Kontakt mit den Aposteln.

Warum erzählt Paulus das so ausführlich? Er will damit zeigen, das Evangelium, das er verkündigt, das habe er nicht einfach so von Petrus übernommen oder von irgendeinen anderen der 12 Jünger. Die waren vom Herrn eingesetzt worden als Apostel in einer ganz besonderen Autorität, aber er auch und er hat die Offenbarung direkt von Gott bekommen. Damit wollte er den Galatern zeigen, wenn ihr das leichtfertig aufgebt, gebt ihr wirklich das auf, was direkt von Gott her gekommen war. Damit will er ihnen eben die Bedeutung und den Wert des Evangeliums nochmals klar vor Augen führen. Es ist direkt von Gott, es ist nicht menschengemäß und es kommt nicht von den Menschen und auch nicht durch Vermittlung der Menschen.

So war das also der erste Besuch im Jahr 50 n.Chr und kurze Zeit später hat dann Paulus den Galaterbrief geschrieben. Die 1. Missionsreise fällt also auf 50 n.Chr, die 2. Missionsreise 50-52 n.Chr, die 3. Missionsreise 52-59 n.Chr und dann kam die Romreise 59 n. Chronik  Dann war Paulus im Gefängnis, in der Zeit von 60-62 n.Chr und es gibt Hinweise, dass er dann wieder frei wurde. Da ging er z.B. nach Nikopolis, es wird nur im Titusbrief erwähnt, nicht in der Apg, dort wollte er überwintern. Das stammt aus der Zeit nach der 1. Gefangenschaft, er kam da wieder rum, es gibt außerbiblischen Hinweis aus der ganz frühen Christenheit, dass er bis nach Spanien gekommen war. Und dann kam wieder eine Verhaftung, er kam in die Todeszelle und 67 n.Chr wurde er von Kaiser Nero enthauptet. Aber so sehen wir, wie die Chronologie in Apostelgeschichte und Galaterbrief ganz schön ineinander greift und das geht wirklich auf.

Weiter ist dieser Besuch in Jerusalem nun ganz wichtig. Er betont in Galater 2, 3, „aber auch Titus...“. Interessant, die Apostel in Jerusalem haben nicht gesagt „Titus, wie kann der ein Diener des Herrn am Evangelium sein, er ist gar nicht beschnitten.“ Nein, die hatten ihn dann auch so stehen lassen, interessanter Hinweis, oder?

4.      „es war aber der nebeneingeführten falschen Brüder wegen, die nebeneingekommen waren, um unsere Freiheit auszukundschaften, die wir in Christus Jesus haben, damit sie uns in Knechtschaft brächten;

5.      Denen wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben haben, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbleibe.“

Also schon damals gab es Leute, die sich unter den Christen eingeschlichen haben. Die waren gar nicht bekehrt, als falsche Brüder sind die reingekommen. Natürlich gab es die Sicherheitsmaßnahmen, man hat in den Gemeinden nicht irgendwelche unbekannten Leute aufgenommen. Darum haben z.B. die Brüder in Apostelgeschichte  18 am Schluss in Ephesus einen Empfehlungsbrief geschrieben für Apollos, als er nach Korinth ging. Und wir haben viele Beispiele im NT, wie für Personen Empfehlungsbriefe ausgestellt wurden, z.B. für Phöbe (Römer 16) schreibt Paulus einen Empfehlungsbrief. Wir haben auch in Kolosser 4 ein Beispiel für einen Empfehlungsbrief. Also, das war schon eine gewisse Sicherheit für die Gemeinde, wenn jemand von irgendwo her kam, dass er zeigen konnte „schaut her, die Gemeinde dort und dort, die empfiehlt mich zur Aufnahme“. Aber trotz dieser Sicherheitsmaßnahmen konnte man natürlich nie eine 100% Sicherheit erreichen.

Paulus sagt, „wegen der nebeneingeführten falschen Brüder“, das war also schon damals möglich und wurde später noch viel extremer. Schauen wir mal im Judasbrief, was dort steht:

3.      „Geliebte, während ich allen Fleiß anwandte, euch über unser gemeinsames Heil zu schreiben, war ich genötigt, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen.

4.      Denn gewisse Menschen haben sich nebeneingeschlichen, die schon längst zu diesem Gericht zuvor aufgezeichnet waren, Gottlose (also Menschen ohne Ehrfurcht vor Gott), die die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und unseren alleinigen Gebietergott und Herrn Jesus Christus verleugnen.“

Da lesen wir auch noch später im Judasbrief von solchen, die da sich eingeschlichen haben. Im Galaterbrief waren die nebeneingeführten falschen Brüder in diesem Fall Juden, die wollten die wahren Gläubigen in Knechtschaft des Gesetzes bringen. Paulus sagt:

5.      Denen wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben haben, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbleibe.

6.      Von denen aber, die in Ansehen standen – was irgend sie auch waren, das macht keinen Unterschied für mich, Gott sieht keines Menschen Person an - , denn mir haben die Angesehenen nichts hinzugefügt,

7.      Sondern im Gegenteil, als sie sahen, dass mir das Evangelium der Vorhaut anvertraut war, wie Petrus das der Beschneidung

8.      (denn der, der in Petrus für das Apostelamt der Beschneidung gewirkt hat, hat auch in mir in Bezug auf die Nationen gewirkt),

9.      Und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen wurden, mir und Barnabas die Rechte der Gemeinschaft, damit wir unter die Nationen, sie aber unter die Beschneidung gingen;

10.   Nur dass wir der Armen gedenken sollten, was ich mich auch zu tun befleißigt habe.“

Hier spricht Paulus über die zweite Begegnung mit Petrus, auch mit Apostel Johannes und wieder mit Jakobus, dem Bruder des Herrn. Und hier wird nun klar gemacht, diese haben anerkannt, dass Paulus wirklich den Auftrag hatte, das Evangelium den Heiden zu bringen. Das „Evangelium der Vorhaut“ bedeutet das Evangelium für die Menschen, die eben nicht beschnitten wurden nach jüdischer Weise, das sind die Heiden. Aber Petrus hat den speziellen Auftrag an denen, die ebne im Judentum geboren worden waren, das „Evangelium der Beschneidung“. Aber sie anerkennen Paulus, wir sehen, dass du von Gott berufen bist, unabhängig von uns, diesen Dienst unter den Heiden zu tun und unser Auftrag ist eben den Dienst unter den jüdischen Gläubigen zu tun. Die haben dann Paulus und auch Barnabas die rechte Hand gegeben, das war nicht einfach so locker, wie wir manchmal ohne viel zu denken jemandem die Hand geben. Nein, das war wirklich Händedruck: wir sind in völliger Harmonie, wir gehören zusammen, du hast einen anderen Auftrag, wir haben auch einen Auftrag. Und das ist ganz wichtig, damit zeigt der Apostel Paulus, dass er in einer völligen Harmonie mit den anderen Aposteln gehandelt hat, aber nicht von ihnen abhängig war.

Warum gab es die 12 Aposteln? Der Herr Jesus hatte in den Evangelien die 12 Apostel eingesetzt im Blick auf die 12 Stämme Israels, das war ihr Hauptauftrag. Paulus wurde nicht als ein 13. Apostel berufen, sondern das ist etwas ganz anderes, als Apostel für die Nichtjuden. Die 12 für Israel und Paulus für die Nichtjuden. Wir wissen ja, die Gemeinde Gottes ist z.B nach dem Epheserbrief eine Vereinigung von Gläubigen aus den Heiden und Gläubigen aus den Juden zu etwas völlig Neuem: dem Leib Christi. Und da haben die Juden keine Vorrangstellung, wir sind eine Einheit in Christus. Die Apostel haben so unterschiedliche Aufgaben und haben sich gegenseitig anerkannt. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass Petrus nicht auch im Bezug auf Nichtjuden handeln konnte. Nicht wahr, bei Kornelius und seiner Bekehrung, da spielte er eine Schlüsselrolle, aber seine Hauptaufgabe war unter den jüdischen Gläubigen.

Paulus hatte zwar eine Hauptaufgabe unter den Heiden, aber er konnte auch gegenüber den Juden wirken. Darum hat er gemäß dem Grundsatz in Römer 1, 16 gesagt: „... denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen.“ Er hatte in der Apostelgeschichte immer so gehandelt, er kam in eine neue Stadt, suchte die Synagoge, predigte dort und dann auch den Heiden. Kam er wieder an einen neuen Ort, sucht die Synagoge, predigt dort, und dann auch den Heiden. Dann in Apostelgeschichte  16 kommt er in eine Stadt, da gab es keine Synagoge aber einen jüdischen Frauengebetskreis am Fluss. Er hat dort gepredigt und den Heiden.

Also, das ist noch wichtig, dass wir auch sehen, wenn wir manchmal feststellen, ja, der Herr hat uns eine bestimmte Gabe gegeben, einen bestimmten Dienst da und da, dann müssen wir nicht meinen, das ist das Steckenpferd und etwas anderes dürfen wir nicht mehr machen. Oder der Eindruck: Ich bin ein Bibellehrer, ich kann nicht jemanden im Spital besuchen um ihm Trost zuzusprechen. Nein, wir müssen alles tun, was der Herr uns aufträgt. Aber natürlich können wir erkennen, wo der Herr uns besondere Begabung, auch Freudigkeit gegeben hat. Also, wir haben gesehen, was der Auftrag des Paulus war und was der Auftrag der übrigen Aposteln.

Um dem etwas hinzuzufügen, was das helfen kann auch im Blick auf andere Bibelstellen, wenn man diese Unterscheidungen der Aufträge vor Augen hat. Im 1. Johannes 2, 1. 2 schreibt Johannes:

1.      „Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand gesündigt hat – wir haben einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten.

2.      Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.“

Die Allversöhner haben hier einen Schluss gezogen: Ja, hier stehts ja, Jesus Christus ist die Sühnung im Blick auf die Gläubigen, aber nicht nur das, im Blick auf die ganze Welt. Und darum werden einmal alle Menschen versöhnt werden, obwohl die Bibel an vielen anderen Stellen ganz klar lehrt, dass es eine ewige Verdammnis geben wird. Nun, wenn wir daran denken, dass Johannes speziell einen Auftrag hatte unter den jüdischen Gläubigen, wird klar, dass er sagt: Der Herr Jesus ist die Sühnung für unsere Sünden, Er ist das Opfer des Jom Kippurs für uns Juden. Aber nicht nur auf das jüdische Volk beschränkt, sowie das bei Jom Kippur war, sondern der Herr Jesus ist auch das Opfer im Blick auf alle anderen Nationen, im Blick auf die ganze Welt. Und so merken wir, das ist ganz wichtig, dass man diese Grundsätze über den Dienst der verschiedenen Aposteln so aus dem Galaterbrief jetzt hier kennenlernt.

Galater 2, 11.12:

11.   „Als aber Kephas nach Antiochien kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er dem Urteil verfallen war.

12.   Denn bevor einige von Jakobus kamen, hatte er mit denen aus den Nationen gegessen; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, da er sich vor denen aus der Beschneidung fürchtete.“

In diesem, immer noch biografischen Teil, erklärt Paulus, es gab einmal folgende Begebenheit: Petrus kam auf Besuch in die Gemeinde in Antiochien (in der heutigen Südtürkei), das war diese Gemeinde, von der aus Paulus seine Missionsreisen gemacht hatte, und für Kephas (Petrus) war es völlig klar, dass man als Jude mit den nichtjüdischen Gläubigen essen darf. Obwohl es im Judentum üblich war, dass man nicht mit solchen aus anderen Völkern zusammen aß. Das war eine Sicherheitsvorkehrung der Rabbinern, dann war man auch sicher, dass man keine unkoscheren Sachen ißt. Gut, jetzt hat er mit ihnen gegessen und dann kamen Gläubige, die aus dem Umfeld des Jakobus waren und die eben noch nicht verstanden damals, was die neue Position der Gläubigen unter der Gnade ist. Da hat Petrus dann plötzlich Mühe gehabt, wenn die mich sehen, was denken die? Er hat sich dann abgesondert, aber für ihn war das klar, natürlich dürfte ich das. Aber jetzt sehen wir, was dann geschah:

13.   „Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so dass selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde.“

 Barnabas war ein so treuer Gläubige, wenn man mit der Konkordanz alle Stellen mit Barnabas aufsucht, da haben wir eine wunderbare Zusammenstellung seines Lebens und man sieht wirklich, das ist ein Mann des Glaubens, voll Heiligen Geistes. Und sogar der hat sich durch die Handlungsweise von Petrus mitreißen lassen. Das zeigt, wie entscheidend ist, wie wir uns in verschiedenen Dingen verhalten, hat immer Einfluss auf die anderen. Dann denken die, ja was, wenn der das kann, dann ist das nicht so schlimm. Oder noch schlimmer: wenn dem seine Kinder das können, wow, dann ist das offensichtlich wahrscheinlich nicht so schlimm, oder? Ja aber das hat eben Konsequenzen, das ist sehr wichtig, dass man das beachtet.

14.   „Aber als ich sah, dass sie nicht den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums wandelten, sprach ich zu Kephas vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, wie die Nationen lebst und nicht wie die Juden, wie zwingst du denn die Nationen, jüdisch zu leben?“

Also Paulus ist öffentlich gegen Petrus aufgestanden. Man könnte doch sagen, das ist doch irgendwie problematisch, der Herr Jesus sagt doch in Matthäus 18, wenn ein Bruder gegen dich sündigt, überführe ihn zwischen dir und ihm allein. Wieso macht er es öffentlich? Nun, Petrus war nicht irgendjemand, er war ein Apostel Jesu Christi und schon bei Ältesten gilt nach 1. Timotheus 5, 20: „Die sündigen, überführe vor allen, damit auch die Übrigen Furcht haben.“

Also bei dem Ältesten, der sündigt (übrigens hier ein Partizip: der sündigend ist, der am Sündigen ist), vor allen, damit auch die Übrigen Furcht haben. Und darum hat Palus eben Petrus vor allen ermahnt und das war wichtig, dass die anderen das mitkriegen, dass das nicht einfach so nur im Privaten geschah, weil alle mitbetroffen waren.

15.   „Wir, von Natur Juden und nicht Sünder aus den Nationen,

16.   Aber wissend, dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus, auch wir haben an Christus Jesus geglaubt, damit wir aus Glauben an Christus gerechtfertigt würden und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt werden wird.“

Hier haben wir also neben dem biografischen Teil gleichzeitig eine ganz wichtige lehrmäßige Ausführung. Also Paulus erklärt, wir wissen, und du Petrus bist ja auch der gleichen Meinung, dass man nur durch Glauben an Jesus Christus von Gott gerechtgesprochen wird.

Rechtfertigen, „dikajo“, bedeutet jemanden für gerecht erklären. Also wenn der Richter jemanden frei spricht, dann erklärt er ihn als gerecht, er ist nicht schuldig. Nun, wie kann Gott uns rechtfertigen? Er könnte es ja nicht, wir sind ja schuldbehaftet, aber weil der Herr Jesus alles am Kreuz für uns getragen hat und Gott uns darum vollkommen vergeben konnte, aufgrund dessen kann Gott uns alle gerecht sprechen. Er ist gerecht, geht frei aus, weil alle Schuld vergeben ist, aber das geschieht nur durch Glauben, ohne Werke! Verstehen wir, wie wichtig diese Verse für Luther waren im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Reformation? Ganz eindeutig, nur durch Glauben, ohne irgendwelche Werke! Darum hat Luther den Galaterbrief so geliebt, er hat gesagt, das ist meine Katharina von Bora, die ehemalige Nonne, die er dann geheiratet hatte. Also, er liebte den Galaterbrier und das heißt, für ihn war das so eine Befreiung, weil der Brief so klar macht: ohne irgendwelche Werke, nur durch Gnade.

17.   „Wenn wir aber, indem wir in Christus gerechtfertigt zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden worden sind – ist also Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne!

18.   Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, so erweise ich mich selbst als Übertreter.

19.   Denn ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe; ich bin mit Christus gekreuzigt,

20.   Und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleisch, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.

21.   Ich mache die Gnade Gottes nicht ungültig; denn wenn Gerechtigkeit durch Gesetz kommt, dann ist Christus umsonst gestorben.“

Also hier wird erklärt, wie entscheidend es ist, dass wir diese biblische Lehre festhalten. Denn wenn wir sagen würden, man kann auch gerettet werden durch eigenen Beitrag, dann ist es letztlich ein Angriff auf das Werk des Herrn Jesus! Dann ist Christus umsonst gestorben. Aber Er ist eben gerade gestorben für unsere Sünden, weil es keinen anderen Weg zur Rettung gab. Das ist auch ein wichtiger Punkt, den man immer wieder findet im NT, wenn eine Irrlehre aufgedeckt wird, dann wird weitergedacht. Da wird erklärt, ja schaut mal, wenn ihr so denkt, dann hat das, das und das zur Konsequenz. Und dann sieht man viel besser ein, wie schlimm das Ganze ist. Und auch hier finden wir so ein Beispiel, da wird weiter gedacht, ja schaut mal, wenn man sagt, es geht auch irgendwie durch eigene Anstrengungen, ja dann hat das letztlich zur Konsequenz, dass Christus gar nicht unbedingt hätte sterben müssen. Das ist ein Angriff auf sein Erlösungswerk!

 

Lehrhafter Teil: Rechtfertigung aus Glauben allein

Kapitel 3:

1.      O unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus als gekreuzigt vor Augen gemalt wurde?“

Das ist ein ganz interessanter Ausdruck, „bezaubert“, das meint auch im Grundtext wirklich bezaubert. Wer hat euch verhext? Wer hat auch unter dämonischen Einfluss gebracht? Da muss man sich im Klaren sein, wenn Menschen sich einer falschen Lehre öffnen, ist das auch eine Öffnung gegenüber dem Dämonischen. Und wenn man dann mit jemanden spricht, der wohl liberale Theologie angenommen hat, dann muss man nicht denken, oh das ist einfach ein bisschen intellektuelles Problem, es ist viel schlimmer, es liegt viel tiefer, da hat jemand auch dem Feind, dem Satan gegenüber wirklich die Türe in seinem Leben geöffnet. Und darum kann man das auch nicht so schnell mit einer kleinen Diskussion erledigen. Wer hat euch bezaubert? Und hier wird sehr schön gezeigt, wie Paulus gepredigt hat. Also er hat damals auf der 1. Missionsreise den Galatern wirklich so eindrücklich das Sterben des Herrn Jesus vor den inneren Augen geführt. Er hat keine Bilder gezeigt und schon gar keinen Film für die Leiden Christi. Ist auch interessant, wenn wir die Evangelien lesen, wie der Heilige Geist über das Sterben des Herrn Jesus spricht. Er spricht über das, wie sie Ihn gekreuzigt haben, Ihn gegeißelt haben, aber Er beschreibt es nicht so, dass irgendwie die menschlichen, rein seelischen Gefühle in ein falsches Aufbäumen kommen. Und so hat der Apostel Paulus eben nicht unnötig ausgemalt, aber er kann wirklich sagen, dass er in seiner Verkündigung, ohne Bilder zu gebrauchen, hat er ihnen ganz klar gemacht, was die Leiden des Herrn Jesus bedeuteten. Und diese Galater waren zutiefst ergriffen. Und jetzt geht ihr von dem weg, ihr denkt, man kann durch irgendwelche eigene Leistungen gerettet werden? Seht euch mal vor, wie war das damals?

2.      „Dies allein will ich von euch lernen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen oder aus der Kunde des Glaubens?

3.      Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr jetzt im Fleisch vollenden?“

Er sagt ihnen, also ihr seid zum Glauben gekommen, wie habt ihr den Geist bekommen? Habt ihr damals den Heiligen Geist bekommen, weil ihr diese neue Lehre geglaubt habt oder weil ihr damals dieses Evangelium, wie ich es euch verkündigt habe, bekommen habt? Das möchte ich jetzt gerne von euch lernen, wie war das? Ha, da kamen sie in Verlegenheit, sonst hätten sie sagen müssen, ja gut, also damals waren wir noch nicht richtig bekehrt, erst jetzt als diese Leute kamen, sind wir bekehrt worden.

4.      „Habt ihr so vieles vergeblich erlitten – wenn wirklich auch vergeblich?“

Also sie mussten offensichtlich schon für ihren Glauben leiden. Dann habt ihr für das Falsche gelitten, ja eben weil ihr sagt, ich habe euch damals etwas Falsches verkündigt. Ihr habt für gar nichts gelitten, überlegt euch das mal, wenn es ja vergeblich ist.

5.      „Der euch nun den Geist darreicht und Wunderwerke unter euch wirkt, ist es aus Gesetzeswerken oder aus der Kunde des Glaubens?“

Nicht wahr, schon in Apostelgeschichte 14 sehen wir, wie der Apostel Paulus große Wunderwerke dort in Südgalatien gewirkt hat. Das hat nichts zu tun gehabt mit der neuen Lehre, sondern mit seiner alten Lehre, die er damals gebracht hatte. Und jetzt kommt die Argumentation aus dem AT:

6.      „Wie Abraham Gott glaubte und es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wurde.

7.      Erkennt also: Die aus Glauben sind, diese sind Abrahams Söhne.

8.      Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen würde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft zuvor: In dir werden gesegnet werden alle Nationen.

9.      Also werden die, die aus Glauben sind, mit dem gläubigen Abraham gesegnet.“

Also jetzt geht er aufs AT und er sagt, Abraham wurde durch seinen Glauben von Gott gerecht gesprochen. Gott hat zu Abraham in der Nacht gesprochen und Er sagt: Siehe den Himmel, Sterne, wenn du sie zählen kannst, so wird deine Nachkommenschaft sein. Und dann heißt es in 1. Mose 15, 6: „Und er glaubte dem HERRN; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.“

Es ist übrigens das 1. Mal in der Bibel, dass wir von Glauben lesen. Abraham glaubte Gott und dann kommt gleich die Rechtfertigung aus Glauben. Nebenbei gesagt, das Interessante war, damals war Abraham noch gar nicht beschnitten, es kam ja erst in 1. Mose 17 später. Aber die Beschneidung hatte mit der Rechtfertigung gar nichts zu tun, sondern einfach mit dem, was er da geglaubt hat.

Es könnte jemand sagen: Ja aber Jakobus sagt doch in Jakobus 2, seht ihr, dass Abraham aus Werken gerechtfertigt wurde, denn es heißt ja von ihm, dass er seinen Sohn geopfert hat. Ja, die Opferung des Sohnes war in 1. Mose 22. Die Tat, dieser Glaubensgehorsam Abrahams in 1. Mose 22 kam später, nach 1. Mose 15, wo es einfach heißt „Abraham glaubte Gott“! Diese Tat war eine Bestätigung, dass dieser Glaube in 1. Mose 15 ein echter Glaube war. Und so betont Jakobus in seinem Brief, die Handlungsweise von Abraham hat deutlich gemacht, dass sein Glaube echt war. Wenn jemand sagt „ich glaube“ – ja, die Dämonen glauben auch, dass es Gott gibt, deswegen sind sie lange nicht gerettet. Also einfach „ich glaube“, das geht nicht, ein echter Glaube zeigt sich danach in Werken! Und so sehen wir, dass Jakobusbrief und Galaterbrief keine Gegensätze sind, sondern die ergänzen sich ganz wunderbar. Und denken wir wieder an Galater 2, wer gab Paulus die rechte Hand? Das war Jakobus, der Bruder des Herrn, der den Jakobusbrief geschrieben hat. Also wir dürfen uns nie linken lassen von Leute, die sagen, das wären zwei verschiedene Richtungen, Jakobus Richtung und paulinische Richtung. Nein, sie waren voll eins, aber sie haben die Akzente anders gesetzt.

Übrigens, Luther hatte mit dem Jakobusbrief ein bisschen Mühe gehabt, gerade wegen dem, aber Calvin beschreibt das wunderschön in seiner Institution, wie der Galater- und Jakobusbrief eine wunderbare Ergänzung sind. Gut, er hat es ein bisschen später geschrieben und Luther stand natürlich noch unter dem ganzen Eindruck der ersten Auseinandersetzung, und man hat ihn natürlich mit dem Jakobusbrief von der Bildfläche verjagen wollen. Darum hat er irgendwie noch ein bisschen mit dem Jakobusbrief gerungen. Aber Calvin kann später das ganz ruhig beschreiben. Er hatte auch eine besondere Begabung, die Dinge klar darzulegen und zu beschreiben und das hat er ganz schön gemacht.

Gott hat also Abraham die frohe Botschaft, das Evangelium, schon im Voraus verkündigt: in dir werden gesegnet werden alle Nationen der Erde. Diese Verheißung hat Gott schon in 1. Mose 12, 3 gegeben. Und jetzt weiter in Galater 3:

10.   „Denn so viele aus Gesetzeswerken sind, sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!“

11.   Dass aber durch Gesetz niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn „der Gerechte wird aus Glauben leben“.

12.   Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: „Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.“

13.   Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist (denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt!“),

14.   damit der Segen Abrahams in Christus Jesus zu den Nationen käme, damit wir die Verheißung des Geistes empfingen durch den Glauben.“

In ein paar Sätzen wird da ein Konzentrat gebracht und ich habe das einmal so ausgenutzt. Damals in der Gymnasiumszeit hatte ich mit einem Juden aus Zürich-Enge, der ist übrigens am Sabbath auch in die Schule gegangen, aber da musste jemand seine Schulsachen tragen, mit dem habe ich mal abgemacht, wir wollen zusammen über den Messias sprechen. Dann hatte er seine Bibel genommen, hebräisch-deutsch und jetzt lesen wir mal 3. Mose 18, 5, die Stelle hier in Galater 3, 12 „wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben“. Da habe ich ihm erklärt, also das Gesetz macht die Verheißung, wenn man alle Gebote einhält, wird man nicht sterben. Man wird durch das Einhalten der Gebote ewig leben. Und dann sagte ich, schlagen wir 5. Mose auf. Ich habe die Stelle genommen, die hier in Galater 3, 10 zitiert wird (ein Zitat aus 5. Mose 27, 26): „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!“ Dann habe ich ihm gesagt, siehst du, wenn du einmal das Gesetz brichst, dann stehst du unter dem Fluch. Und wer würde schon behaupten, er hätte alle Gebote immer eingehalten. Dann habe ich ihm gesagt, so, jetzt haben wir aber noch einen Vers aus 5. Mose, der in Galater 3, 13 zitiert wird (aus 5. Mose 21, 23): „Verflucht ist jeder, der am Holze hängst!“ Darum wurde Jesus Christus an einem Holz gehängt, denn Er wurde ein Fluch Gottes an unserer Stelle. Wenn wir das Gesetz versuchen einzuhalten, kommen wir automatisch unter den Fluch Gottes. Aber Gott hat schon in der Thora den Ausweg gegeben, dass einmal jemand am Holz hängen würde, der den Fluch Gottes auf sich nehmen würde, damit wir den Segen Abrahams bekämen. Und das ist der Segen – allein durch Glauben! So kann man das einem Juden einfach anhand seines AT wunderbar erklären, man muss einfach diese Stellen aus dem Galaterbrief nehmen, das fährt voll ein. Also, so lernen wir über Judenmission. Weiter in Galater, Kap. 3:

15.   „Brüder, ich rede nach Menschenweise; selbst eines Menschen Bund, der bestätigt ist, hebt niemand auf oder verordnet etwas hinzu.

16.   Abraham aber waren die Verheißungen zugesagt und seinem Nachkommen. Er sagt nicht: „und den Nachkommen“, als von vielen, sondern als von einem: „und deinem Nachkommen“, welcher Christus ist.“

Hier erklärt Paulus, Abraham hatte von Gott eine Verheißung bekommen, gleich nach der Darbringung von Isaak. Gott hat gesagt „in deinem Samen werden alle Nationen gesegnet werden“ (1. Mose 22, 18). Dann erklärt hier der Apostel Paulus, wir müssen ganz gut beim Bibellesen achten, ob ein Wort Mehrzahl oder Einzahl ist. Da lernen wir, dass es sich lohnt, die Bibel genau zu lesen, er sagt, das hat eine Bedeutung, dass hier steht „in deinem Sachen“, denn das weist letztlich hin auf Christus, den Messias. Also Gott hatte den Plan, dass der Segen zu allen Völkern kommen sollte, auch zu den nichtjüdischen Völkern.

17.   „Dieses aber sage ich: Einen vorher von Gott bestätigten Bund macht das 430 Jahre danach entstandene Gesetz nicht ungültig, dass es die Verheißung aufhebt.

18.   Denn wenn die Erbschaft aus Gesetz ist, so nicht mehr aus Verheißung; dem Abraham aber hat Gott sie durch Verheißung geschenkt.“

Hier wird nun von dem Bund gesprochen, den Gott mit Abraham geschlossen hat und da ging es noch gar nicht um das Gesetz, diese Gebote von Sinai. Gott hat einfach dem gläubigen Abraham, der durch Glauben gerechtfertigt war, verheißen, durch deinen Nachkommen, nämlich Messias, werden einmal alle Völker gesegnet werden. Übrigens nicht alle Menschen, sondern alle Völker. Die Bibel sagt in Offenbarung 5, dass einmal Menschen aus allen Sprachen, Stämmen, Völkern und Nationen gerettet werden. Nicht alle Menschen, aber Menschen aus allen diesen Bereichen.

Jetzt wird erklärt, aber 430 Jahre nach diesem Bund mit Abraham schloss Gott den Bund am Sinai und da hat er viele Gesetze gegeben. Paulus erklärt, Gott hat ja diesen Bund mit Abraham gemacht, er wird jetzt nicht aufgehoben durch diesen späteren Bund, der 430 Jahre später nach dem Auszug aus Ägypten geschlossen wurde. Das bleibt, das kam nur einfach noch dazu und der Sinn war, dem jüdischen Volk mit dem Sinai-Bund zu zeigen, wenn es darauf ankäme durch Einhalten der Gebote errettet zu werden, dann könnt ihr die Erfahrung machen, das funktioniert nicht. Man kommt automatisch unter den Fluch Gottes. Also, dieser spätere Bund mit den Geboten (wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben), das sollte nicht das aufheben, was Gott mit Abraham schon abgemacht hatte, das kam einfach noch dazu. Ich lese weiter in Kap. 3 und es wird immer klarer:

19.   „Warum nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt, bis der Same käme, dem die Verheißung gemacht war (also hat Gott dieses Gesetz eingefügt im Blick auf die ganze Zeit, bis dann der Messias einmal kommen würde), angeordnet durch Engel in der Hand eines Mittlers (das ist Mose).

20.   Ein Mittler aber ist nicht Mittler von einem; Gott aber ist einer.

21.   Ist nun das Gesetz gegen die Verheißungen Gottes? Das sei ferne! Denn wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig zu machen vermöchte, dann wäre wirklich die Gerechtigkeit aus Gesetz.

22.   Aber die Schrift hat alles unter die Sünde eingeschlossen, damit die Verheißung aus Glauben an Jesus Christus denen gegeben würde, die glauben.

23.   Bevor aber der Glaube kam, wurden wir unter dem Gesetz verwahrt, eingeschlossen auf den Glauben hin, der offenbart werden sollte.

24.   Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.“

Es wird erklärt, die ganze Sache mit den Geboten, die hat Gott hinzugefügt, nicht eben um das, was Gott Abraham gezeigt hat - Rechtfertigung durch Glauben allein - aufzuheben, sondern es war da, um das jüdische Volk zu erziehen, bis der Messias käme. „Das Gesetz war unser Zuchtmeister“, das tönt ein bisschen schrecklich, auf Griechisch ist das Wort „paidagogos“ – ein Pädagoge. In der alten Welt damals war der Begriff die Bezeichnung speziell für einen Sklaven in den reichen Familien des römischen Reiches, die zwar schon ihre Kinder selber erzogen, aber in der Freizeit musste immer der „paidagogos“ sich mit ihnen abgeben. Er musste sie auch auf dem Schulweg begleiten, das ist ja nicht schlecht, dann musste er ihnen interessante Dinge auf dem Schulweg zeigen. Also der Klang war positiv, der „paidagogos“ hilft den Kindern, ist quasi ein Erziehungshelfer.

Jetzt wird hier erklärt, das Gesetz war unser Pädagoge auf Christus hin. Das Gesetz sollte zeigen, wenn jemand sagt, wieso brauche ich einen Erlöser?, wir sind so schlecht auch wieder nicht, da sollte man die Erfahrung machen, niemand kann das Gesetz einhalten. Alle sind gestorben, alle Pharisäer, denn wenn sie nicht gestorben wären, würden sie ja heute noch leben, oder? Ja und wenn sie wirklich die Gebote eingehalten hätten, dann wären sie nicht gestorben. Das ist der Beweis, alle haben versagt und so sollte das Gesetz die Sehnsucht wecken im jüdischen Menschen – oh, wenn doch nur der Messias käme!

Dann kann man diese Stellen im AT suchen, wo man dieses Sehnen findet – oh, dass doch die Rettung da wäre, die Rettung Israels! Das wollte Gott mit den Geboten des Gesetzes bezwecken, bis dann eben der Messias kam und dann kam das Zeitalter des Glaubens!

25.   „Da aber der Glaube gekommen ist (das heißt das Zeitalter des Glaubens), sind wir nicht mehr unter einem Erzieher („paidagogos“);

26.   Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus.

27.   Denn so viele ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen.

28.   Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.

29.   Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Nachkommen und nach Verheißung Erben.“

Nun spricht der Apostel Paulus bereits darüber, dass die Gläubigen in der heutigen Zeit eine ganz einzigartige Beziehung zu Gott haben, sie sind Söhne Gottes. Das war für die gläubigen Juden unterm Gesetz nicht so, das ist eine ganz andere Stellung. Und dann wird hier sogar noch die Taufe erwähnt, interessant, „denn so viele ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen“ (Vers 27). Hm, aber was hat das „ihr habt Christus angezogen“ jetzt mit der Taufe zu tun? Bei der Taufe mit dem Wasser wird man runtergetaucht, dann taucht man wieder auf, was hat das mit „ihr habt Christus angezogen“ zu tun? Man muss ein bisschen weiterdenken, wie war es nach der Taufe? Man kam naß herauf und dann? Dann ging man sich umziehen. Und was hat man angezogen? Die alten Kleider? Nein, neue, frische Kleider. Aha, sogar das hat eine Bedeutung bei der Taufe, die Kleider nachher. Ihr habt Christus angezogen, ihr seid so eng mit Christus verbunden wie die Kleider, die ihr angezogen habt. Und dadurch seid ihr Nichtjuden mit Christus so eng verbunden, jetzt gehört sein Stammbaum auch euch. „Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Nachkommen und nach Verheißung Erben“ (Vers 29). Wenn ihr so mit Christus verbunden seid, so eng, dann gehört sein Stammbaum euch. Dann seid ihr Abrahams Söhne und Erben, ihr dürft die Verheißung haben, ohne das Gesetz einzuhalten. Das ist schon eindrücklich, die ganze Logik der Argumentation.

Kapitel 4:

1.      „Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Knecht, obwohl er Herr ist von allem;

2.      Sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist.

3.      So auch wir: Als wir Unmündige waren, waren wir geknechtet unter die Elemente der Welt;

4.      Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz,

5.      Damit er die, die unter Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Sohnschaft empfingen.

6.      Weil ihr aber Söhne seid, so hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: Abba, Vater!

7.      Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.“

Hier wird in einem Vergleich erklärt, wie das bei einem Erben ist. Wenn er unmündig ist, dann muss er genau das machen, was die Eltern sagen, wie ein Knecht. Und wenn dann sein Erwachsensein kommt, dann wird die volle Entscheidungsfreiheit eben abgegeben. Und so sagt der Apostel Paulus, das war mit uns Juden so, wir waren eigentlich wie Kinder in der Stellung von Knechten, aber jetzt wo eben Jesus gekommen ist, in der Füller der Zeit von Gott gesandt, hat Gott uns von dem Gesetz befreit und jetzt ist die Zeit, wo wir wirklich die Sohnschaft und die Freiheit der Sohnschaft genießen dürfen.

Jetzt muss man beim Lesen gut aufpassen, wann sagt der Apostel Paulus „wir“, wann sagt er „ihr“? Das muss man beachten, wenn man den ganzen Brief mal in einem Zug durchliest. Wenn Paulus von „wir“ spricht, dann meint er die Juden und wenn er „ihr“ oder „du“ sagt, dann spricht er zu den nichtjüdischen Galatern. Der Unterschied ist da frappant, er sagt in Vers 3 „so auch wir: Als wir Unmündige waren, waren wir geknechtet unter die Elemente der Welt“. Das sind die Gesetze und Ordnungen, die Gott erst mit dem Gesetz von Sinai eingerichtet hatte. Mit all den Koschergesetzen, den Gesetzen im Zusammenhang mit den Opfern usw. Aber mit dem Kommen des Herrn Jesus kam die Wende. Und jetzt sagt er in Vers 6: „Weil ihr aber Söhne seid, so hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der da ruft: Abba, Vater!“ Das „ihr“ spricht jetzt die Galater an, die jetzt auch seit dem Kommen des Herrn Jesus durch den Glauben Söhne geworden sind. Abe sie waren natürlich früher nie unter dem Gesetz, also diesen Unterschied muss man im Galaterbrief gut machen, sonst haben wir ein Durcheinander.

Jetzt sagt er, was sie früher waren:

8.      „Aber damals freilich, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind,

9.      Jetzt aber, da ihr Gott erkannt habt, vielmehr aber von Gott erkannt worden seid, wie wendet ihr euch wieder um zu den schwachen und armseligen Elementen, denen ihr wieder von neuem dienen wollt?

10.   Ihr beachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre.

11.   Ich fürchte um euch, dass ich etwa vergeblich an euch gearbeitet habe.“

Sie sind zum Glauben gekommen und jetzt wollen sie ins Judentum einsteigen und wollen wieder das aufrichten, was früher war. Er sagt „ich fürchte um euch, dass ich etwa vergeblich an euch gearbeitet habe“ (Vers 11). Ja, was soll man aber sagen, da gibt es doch so viele Leute heute, die sagen: Kommt nach Israel zum Laubhüttenfest! Sollen Christen Laubhüttenfest feiern? Ja wieso nicht, es ist ja ein biblisches Fest. Ja, kommt zum Passahfest, sagen wir nach Bodensee oder so. Und, sollen wir das tun? Sollen nichtjüdische Leute eingeladen werden das Passahfest zu feiern? Hier sagt Paulus „ich fürchte um euch, dass ich etwa vergeblich an euch gearbeitet habe“, das ist keine Bagatelle. Und übrigens stellt man sich noch unter die Todesstrafe. In 2. Mose 12 steht nämlich – wenn ein Fremdling das Passahfest isst ohne dass er beschnitten worden ist, muss er sterben. Ist ja eine tolle Sache, man lädt einfach jemanden so zum Passahfest ein und im Nachhinein liest er in der Bibel sein Todesurteil. So geht das nicht!

12.   „Seid wie ich, denn auch ich bin wie ihr, Brüder, ich bitte euch; ihr habt mir nichts zuleide getan.

13.   Ihr wisst aber, dass ich euch einst in Schwachheit des Fleisches das Evangelium verkündigt habe;

14.   Und die Versuchung für euch, die in meinem Fleisch war, habt ihr nicht verachtet noch verabscheut, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, wie Christus Jesus.

15.   Wo ist nun eure Glückseligkeit? Denn ich gebe euch Zeugnis, das ihr, wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet.

16.   Bin ich also euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage?“

Wir haben schon ab Vers 12 gelesen, wie der Apostel Paulus sagt, denkt doch mal zurück an damals, wie das schön war, als ich zu euch kam und ihr habt wirklich so mit Freudigkeit das Evangelium angenommen. Ihr hättet eure Augen mir gegeben, wenn es möglich wäre. Und jetzt plötzlich war es so anders, die eifern nicht gut um euch.

17.   „Sie eifern um euch nicht gut, sondern sie wollen euch ausschließen, damit ihr um sie eifert.“

Was heißt dieses „ausschließen“? Sie wollen sie von der Gemeinschaft mit dem Apostel Paulus ausschließen. Das ist noch sehr aktuell, es gibt euch Leute, die immer wieder ganz abschätzig über Paulus und die Paulusbriefe sprechen. Da ist es im Prinzip das gleiche wie hier, die wollten auch die Gläubigen von Paulus trennen. Aber das geht nicht, denn Paulus hat nicht einfach irgendeine Botschaft gebracht, sondern die Botschaft kam direkt von Gott und sein Apostelamt war direkt von Gott.

18.   „Es ist aber gut, allezeit im Guten zu eifern und nicht nur, wenn ich bei euch zugegen bin.

19.   Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen habe, bis Christus in euch Gestalt gewinnt;

20.   Ich wünschte aber, jetzt bei euch zugegen zu sein und meine Stimme umzuwandeln, denn ich bin euretwegen in Verlegenheit.“

Der Galaterbrief ist der härteste Brief des Paulus, aber sehen wir, wir spüren in manchen Versen ein innerliches Erregtsein des Apostels, Erzürntsein über das, was geschehen ist. Wir sehen das Problem in den Briefen, man weiß nicht unbedingt so, wie das genau gemeint war, weil man die Tonlage nicht hat. Ja gut, heute macht man es bei den Mails mit einem Smiley und dann weiß man ein bisschen über die Tonlage. Aber hier sagt der Apostel Paulus, ich möchte jetzt bei euch sein und dann meine Stimme verändern, da merkt ihr, wie gut ich es um euch meine. Ich bin nicht einfach jetzt zornig über euch, sondern ihr seid meine Kindlein.

So ist es ein ganz ergreifender Brief und übrigens ist es auch sehr schön, wie er sie immer als Brüder anspricht. Also, sie waren eigentlich in Gefahr, auf einen ganz falschen Weg zu kommen, aber das war noch nicht eine vollendete Sache. Darum eilt er mit diesem Brief. 10 Mal spricht der Apostel Paulus sie als Brüder an und in Kapitel 6 ist das sehr eindrücklich, das Kapitel bildet eine Einheit. Kapitel 6, V. 1: „Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde...“ und dann der letzte Vers, V.18: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, Brüder! Amen.“ Merkt man, das ist wirklich eingeschoben, dieses Wort „Brüder“, das wird man nicht unbedingt erwarten. Das bedeutet, für mich ist es immer noch klar, dass ihr wahre Gläubige seid, aber jetzt muss man wirklich Schluss machen mit dieser Irrlehre.

In Kapitel 4, zweite Hälfte geht der Apostel Paulus auf die Geschichte von Abraham, Sara und Hagar ein. Er erklärt, dass Sara eigentlich den Bund Abrahams zur Freiheit symbolisiert und Hagar, die eine Sklavin war, symbolisiert den Bund von Sinai. Da war Isaak von Sara und Ismael von Hagar und er erklärt, das alles einen bildlichen Sinn hat und deutet das allegorisch/bildlich. Das ist natürlich der Hammer für viele evangelikale Bibelausleger, die sagen, ach Allegorie, da muss man unwahrscheinlich aufpassen, wenn man das AT bildlich deuten will. Und dann sagt man, ja aber hier haben wir doch ein Beispiel von Apostel Paulus. Ja gut, aber das gilt nur, weil der Apostel Paulus das machen konnte. Aber wir haben viele andere Stellen, in 1. Korinther 10 usw, wo erklärt wird, das ganze AT bildliche Bedeutung hat in Bezug auf Christus, in Bezug auf das Heil, das durch Christus kommen sollte. Nein, das ist nicht nur auf diese paar Kapitel mit Sara und Hagar beschränkt, der Heilige Geist hat das wirklich hineingelegt.

Schauen wir mal, der Apostel Paulus macht den Galatern einen Vorwurf, dass sie das nicht schon selbst entdeckt haben, Vers 21: „ Sagt mir, die ihr unter Gesetz sein wollt, hört ihr das Gesetz nicht?“ Also ihr wollt Spezialisten sein für das Gesetz, nicht wahr, na gut, dann aber hört bitte, was da in 1. Mose in diesen Kapitel über Sara und Hagar steht, da steckt eine Botschaft drin. Wir gehören quasi zu diesem Bündnis, das mit Freiheit zu tun hat und diejenige, die unter dem Gesetz bleiben wollen, die werden durch Hagar symbolisiert. Wie war das? Ismael hat Isaak verfolgt, sagt er und so ist es eben auch jetzt. Diejenige, die unter Gesetz bleiben wollen, die haben ein Problem mit euch. Und dann kommt Kapitel 5:

1.      „Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wieder unter einem Joch der Knechtschaft halten.“

Also hier wird die Freiheit in Christus verkündigt. Jetzt meinen manche, „Freiheit in Christus“ heißt, man kann eigentlich machen was man will. Das ist so falsch. Wir lesen noch aus Kapitel 6, 2:

2.      „Einer trage des anderen Lasten, und so erfüllt das Gesetz des Christus.“

Wow, erfüllt das Gesetz des Christus! Ja dann sind wir doch unter dem Gesetz? Nein, der Galaterbrief sagt, die Gläubigen der Gemeinde stehen nicht unter dem Gesetz von Sinai, sondern unter dem Gesetz des Christus. Was ist das? Nun, Paulus kam ja aus dem Judentum und diesen Ausdruck „das Gesetz des Christus“ kennt man aus der rabbinischen Literatur. In dem Midrasch Kohelet 11.8, eine Auslegung zu dem Buch Prediger steht, die Thora, das Gesetz, die ein Mensch in diesem Zeitalter lernt, ist ein Nichts gegenüber der Thora des Messias. Die Thora des Messias? Das Gesetz des Christus, Messias heißt ja Christus, ist genau dieser Ausdruck. Das wird im Judentum gelehrt, die Thora, die wir jetzt lernen, 5 Bücher Mose, die stehen im Gegensatz zu dem, was einmal der Messias bringen würde. Er wird auch eine Thora bringen, aber die ist auf einer viel höheren Ebene – das Gesetz des Christus – „Toratho schel Maschiach“.

Das sind all die Gebote, die der Herr Jesus für die Gläubigen der Gemeinde im NT gebracht hat. Da sagt er in Johannes  14 „wer mich liebt, der hält meine Gebote“. Da steht nicht, der tut was er will, sondern der mein Wort hält! Ja also das Gesetz des Christus, das sind die Gebote, die der Herr Jesus gebracht hat und die sind verglichen mit dem Gesetz von Mose auf einer viel höheren Ebene! Das Gesetz Mose richtet sich an ein Volk, wovon die meisten gar nicht wiedergeboren waren! Man gehört ja zu dem Volk durch Geburt und dann wurde das am 8. Tag durch Beschneidung bestätigt. Also, das war eine Art Volkskirche, das Volk Israel war wie eine Volkskirche und der gehörte man nicht durch Bekehrung dazu, sondern durch Geburt und Beschneidung.

Aber jetzt ist alles ganz anders, das, was der Herr Jesus bringt, ist nur an Wiedergeborene, Bekehrte gerichtet. Darum sagt der Herr Jesus im NT nicht wie in dem Gesetz „du sollst nicht ehebrechen“. Das kann schon sein, dass einer eine Ehe führt und da bricht er nicht die Ehe, aber dann war es schon alles. Aber im NT sagt der Apostel Paulus in Epheser 5, dass die Männer die Frauen lieben sollen, wie Christus, der sich hingegeben hat. Das ist ein ganz anderer Maßstab! „Du sollst nicht stehlen“, im Epheserbrief 4, 28 heißt es „wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas zu geben habe.“ Die Gebote sind auf viel höheren Ebene, weil sie für Wiedergeborene gelten und darum haben wir in Galater 5 dann ausführlich beschreiben, was das heißt, das Leben in Geist.

Der Geist Gottes ist die Kraft in Gläubigen um das zu tun, was Gott gefällt. Das Fleisch ist die von Adam geerbte böse Natur. Galater 5, 19:

19.   „Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinheit, Ausschweifung,

20.   Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten,

21.   Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, wie ich auch vorhergesagt habe, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.“

Hurerei, gr. „pornaja“, bezeichnet jeglichen Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe, vor und neben der Ehe. Zauberei, gr. „pharmakaja“, meint Okkultismus und Drogenmissbrauch. Sekten ist auch ein Werk des Fleisches, wenn man zu den Zeugen Jehovas gehört. Und dann der Gegensatz:

22.   „Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue,

23.   Sanftmut, Enthaltsamkeit; gegen solche Dinge gibt es kein Gesetz.“

Also die wahren Gläubigen, die werden durch den Geist Gottes geleitet und dadurch bekommen sie die Kraft von Gott, um gottgemäß zu leben, gemäß dem Gesetz des Christus. Also keine Gesetzlosigkeit! Aber was ist dann die Freiheit? Durch die Wiedergeburt bekommen wir das Leben des Herrn Jesus und dieses Leben will gar nichts anderes als das, was Gott will. Nicht wahr, wenn man mir sagen würde, iss da diese schwarze Schokolade, dann ist das ein Gebot, ja, aber ich muss mich nicht unbedingt anstrengen, weil ich Schokolade wunderbar finde. Und das ist für mich ein Gesetz der Freiheit, weil das sowieso das ist, was Er will, oder? Es geht einfach darum um zu zeigen, das ist die Freiheit, das wir jetzt gemäß diesem neuen Leben, gemäß der Kraft des Heiligen Geistes leben können. Nicht fleischlich leben, das ist gar keine Freiheit, das ist Sklaverei, sondern gemäß dem neuen Leben und gemäß der Kraft des Heiligen Geistes. Das wird uns so wunderbar in Galater 5 und 6 vorgestellt. Dann sagt der Apostel Paulus in Kap 6, 11: „Seht, welche einen langen Brief ich euch geschrieben habe mit der eigenen Hand“ und dann eben am Schluss „die Gnade unseres Herrn Jesus Christus (zum 7. Mal Gnade) sei mit eurem Geist, Brüder! Amen“ Das muss eingefahren sein, zum Schluss einfach nur Brüder, wir haben uns verstanden, jetzt müsst ihr die Konsequenzen ziehen.

Noch eine kleine Ergänzung, das muss gesagt werden, sonst ist es ein bisschen verwirrend. Der Apostel Paulus war ja bei dieser Konferenz in Apostelgeschichte 15 dabei. Da hat man ganz klar gemacht, die aus den Heiden, die müssen sich nicht beschneiden lassen, die müssen nicht unter das Gesetz von Sinai gestellt werden ab 2. Mose 19. Aber im nächsten Kapitel geht Paulus auf die zweite Missionsreise und beschneidet Timotheus. Ja, was ist jetzt geschehen? Aber es wird ganz klar gesagt, er hatte eine jüdische Mutter und war damit Volljude. Der Apostel Paulus hat ihn beschnitten, nicht damit er gerettet wird, sondern um der Juden Willen. Das war eben die Freiheit für die jüdischen Christen, die wussten, wir sind nicht mehr unter dem Gesetz, ich bin durch Gesetz dem Gesetz gestorben, sagt Galater 2. Also ich habe es für mich in Anspruch genommen, der Herr Jesus ist für mich gestorben und damit bin ich nicht unter dem Gesetz, denn das Gesetz gilt nur so lange jemand lebt.

Ja also, nicht mehr unter dem Gesetz, das ist wie beim Schweizer Gesetz, wenn jemand eine Bank überfallen hat, wird er verfolgt bis er, sagen wir, mit seinem Auto in eine Betonmauer rast. Und da wird die ganze Strafverfolgung aufgehoben. Das Gesetz geht nur so lange wie jemand lebt, aber wenn ein Jude zum Glauben kommt und sich eins macht mit dem Herrn Jesus, mit seinem Tod, das drückt man in der Taufe aus, dann ist er nicht mehr unter dem Gesetz von Sinai. Was ich aber lebe, lebe ich durch Glauben, Christus lebt in mir.

Und jetzt ist es aber so, die jüdischen Christen haben die Freiheit weitergenommen als Zeugnis für die Juden, die Beschneidung weiterhin durchzuführen. Paulus ging in den Tempel, wollte Opferkosten für die jüdischen Brüder übernehmen. Aber das ist kein Problem, das ist das Prinzip von 1. Korinther 9, 20: Ich bin denen, die unter Gesetz sind, geworden wie unter Gesetz, damit ich sie gewinne. Ich bin allen alles geworden, damit ich sie für Christus gewinne. Und das ist ein wichtiger Punkt in der Judenmission, die meisten Juden haben die größte Angst, sie würden ihr Jüdischsein verlieren, wenn sie sich bekehren. Dann muss man ihnen zeigen, nein, das ist überhaupt nicht wahr, das ist ja die Erfüllung dessen, was eure Väter immer erhofft haben. Also ihr habt gerade das Ziel des Jüdischseins erfahren, aber da gehört natürlich noch viel mehr dazu. Darum ist das in der Judenmission eine Hilfe, wenn Juden das so machen wie der Apostel Paulus.

Aber Titus wurde nicht beschnitten, also jeder, der keine jüdische Abstammung hat, der darf das „ich bin denen, die unter Gesetz sind, geworden wie unter Gesetz“ nicht auf sich anwenden, das geht nicht. Das hat der Apostel Paulus ganz strikt getrennt. Timotheus konnte er beschneiden um der Juden Willen, aber Titus wurde nicht beschnitten, denn er hatte keine jüdische Abkunft. Und so ist es kein Widerspruch zum Galaterbrief, was der Apostel Paulus da in der Apostelgeschichte gemacht hatte, sondern das gehörte zu diesem Wunsch, dass die Juden erreicht werden, das Evangelium den Juden zuerst.

Aber diese Dingen dürfen wir nicht vermischen, und das wird heute eben so oft gemacht, indem man einfach querherum sagt, nichtjüdische Gläubige sollen auch Passah und Laubhütten feiern. Nein, reines Durcheinander. Die Gemeinde ist etwas völlig Neues. Man muss unterscheiden, Gott hat das jüdische Volk eingesetzt als irdisches Volk Gottes und die Gemeinde als himmlisches Volk Gottes, aber diese Dinge dürfen wir nicht vermischen. Und wenn wir das so stehen lassen, wie die Bibel das tut, dann haben wir nachher kein Durcheinander, sondern auch Klarheit in der gesunden biblischen Lehre.

 

Herr Jesus, wir danken dir für dein Wort und auch für diesen Galaterbrief, der uns auch hilft zu verstehen, was du willst und was der Wille Gottes ist und auch wie das Leben der Gläubigen aussieht. Wir danken dir für diese vollkommene Erlösung und dass du uns auch befreit hast von diesem Zwang, dem Fleische in uns, zu gehorchen. Und danke Herr Jesus, dass du uns deinen Geist gegeben hast, der uns Kraft gibt, gottgemäß zu leben. Hilf uns, dass wir wirklich auch nicht Dinge in unserem Leben hineinlassen, die den Geist Gottes trüben und so diese Kraft von uns gehen lässt, sondern dass wir wirklich in Gemeinschaft mit dir vorangehen, so in diesem Gesetz der Freiheit, dem Gesetz des Christus vorangehen zu deiner Ehre. Amen.